Zum 7. Oktober



Vor allen Dingen ergreift den Schild des Glaubens, mit welchem ihr alle feurigen Pfeile des Bösewichts auslöschen könnt. - Eph. 6, 16

In der Rüstung der ehemaligen Krieger war der Schild, der mit dem linken Arm und der linken Hand getragen wurde, geeignet, den ganzen Leib vor Pfeilen und Wurfspießen zu schützen. So ist auch der Schild des Glaubens, der Christus und Sein Wort vor sich hält, der gegen alle Anfechtungen des Satans den Sohn Gottes, unseren Mittler und Fürsprecher, vor sich stellt und sich hinter Ihm verbirgt. Dieser Glaube ist auch der Schild, der unser ganzes Wesen schützt, wie viele und große Fehler und Sünden wir auch haben mögen.
Wer du auch bist, der du dieses liest und der du ein Christ sein willst, nimm diese Lehre tief zu Herzen! Wie wahr das Werk Gottes in uns auch sein mag und wie ernst wir auch den ganzen Harnisch Gottes anziehen und wachen und beten mögen, so werden wir doch immer mehr Sünden und Untreue als Frömmigkeit und Gerechtigkeit bei uns fühlen und zu sehen bekommen, sofern wir nicht ganz bezaubert und eingeschlafen sind. In allem, was noch von Adam her in uns vorhanden ist, bleibt doch ein unerschöpfliches Verderben, so dass wir schließlich ebenso unverdient selig werden wie ein Räuber, der direkt von seiner Tat zu Jesus kommt. Wir arbeiten wohl daran, wir predigen, ermahnen, strafen, warnen, bitten, ermuntern, auf dass das ganze Wesen der Christen heilig werden möge; und alle aufrichtigen Christen liegen wegen keiner Sache so treulich vor dem Gnadenstuhl wie wegen dieser, weil sie von ihrem Bösen frei werden möchten. Aber es wird hier auf Erden doch nie anders, als dass noch viele Mängel vorhanden bleiben, zumal das Fleisch voller Sünden und Bosheiten ist, die leider oft auch in Worten und Werken hervortreten, und weil das ganze Werk des Geistes — der Glaube, die Liebe, das Gebet — noch mit der Unreinheit des Gefäßes befleckt und vermischt sind. Darum müssen wir schließlich wie andere große Sünder nur unverdiente Gnade begehren oder bitten, dass Christus mit Seinem Verdienst uns bedecken, verbergen und verteidigen möge; sonst sind wir verloren, auch dann, wenn wir selber am besten gelebt haben.
So müssen wir immer den Punkt vor allen anderen hoch, groß und unverletzt halten, dass wir nur um Christi willen selig werden, und müssen vor Gott immer Christi eigene Gerechtigkeit vor uns stellen. Denn nicht einmal der Glaube an und für sich kann uns vor dem Zorn schützen, sondern einzig und allein der Gegenstand des Glaubens: Christus — mit Seinem Gehorsam, Seinem blutigen Tod für uns — ist der eigentliche Schild, an dem alle feurigen Pfeile des Satans abprallen und verlöschen.
Möchte darum ein jeder Christ sich vor allem recht daran gewöhnen, in allen nur möglichen Fällen diesen Schild des Glaubens zu benutzen, auf dass du, sobald Gott warnt, etwas gebietet oder verbietet, aufs gottesfürchtigste dieses alles achtest und Ihn um Gnade anrufst, es tun zu können. Sobald du aber im Gegenteil deinen großen Mangel und dein großes Elend siehst, nicht erfüllen zu können, was Gott befohlen hat, muss du dies sofort eine Sache für sich sein lassen und wissen, dass du allein durch den Tod Christi vor dem Zorn geschützt bist. — Der Gnadenbund in Christus ist eine Sache für sich, die ewiglich besteht, möge es besser oder ärger mit unserem Gehorsam und unserer Frömmigkeit gehen, solange wir beim Gnadenstuhl verbleiben. Es gibt zwar sehr verschiedene Grade in der Frömmigkeit und im Wandel der Christen, die Seligkeit aber liegt nur in einem, nämlich darin, dass wir durch den Glauben in Christus sind, wie Johannes sagt: „Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben“, und wie Jesus selber spricht: „Wer Mein Fleisch isst und trinkt Mein Blut, der hat das ewige Leben.“
Was dir darum sonst auch fehlen mag, immer darfst du dich dessen getrösten: Gott vergebe und helfe mir armen Sünder. Es ist jämmerlich, es ist grässlich, dass ich noch so elend sein muss; aber Gott, dem ewigen König, sei ewig Dank und Preis, dass ich einen Anderen habe, der vor Ihm meine Gerechtigkeit ist! Du arger Satan, der du mein Fleisch mit so viel Bösem erfüllt hast, du willst mich damit jetzt zu Tode schrecken und mich ganz verdammen; aber das soll ein anderer Mann dir verwehren, der Jesus Christus heißt. Er ist mein ewiger und mein getreuer Heiland sowie meine volle und hinlängliche Gerechtigkeit. Ist Er es nicht, dann bin ich und mit mir jeder Christ ewiglich verloren. Du hast wohl darin recht, dass ich nicht so fest mit Wahrheit umgürtet bin, wie ich es sein sollte, es ist leider noch viel Falschheit in meinem Herzen. Ich kenne aber einen Mann, dessen Seite mit einem Speer geöffnet wurde, in ihr allein ruht das Herz, das vollkommen mit der Wahrheit erfüllt ist. Diese Seite ist mein Schild gegen deine feurigen Pfeile. Es ist wahr und es ist jämmerlich, dass meine Werke und mein Wandel noch so gebrechlich und unstet sind; ich habe aber einen Mann mit durchbohrten Händen und Füßen gesehen, in diesen Händen sind meine guten Werke, in diesen Füßen ist mein guter Wandel. Wenn Christi Werke nicht meine Werke sind, dann bin ich ewiglich verloren. Es ist wahr und es ist meine tägliche Plage, dass ich noch so viele böse Gedanken habe; ich habe aber ein heiliges Haupt mit einer Dornenkrone gesehen, in diesem Haupt sind meine guten Gedanken. Ich wollte so innig gern, dass mein eigenes Christentum vollkommen wäre, ich habe um nichts so viel gebetet wie gerade darum; gilt es aber meine Seligkeit, dann spreche ich so: „Ich will keine andere Gerechtigkeit als die meines Herrn Christus haben. Hält mein Christentum nicht stand, dann hält mein Christus stand. Darum ist Er mir auch lieb, köstlich und unentbehrlich.“ Mit diesem Schild allein können wir „alle feurigen Pfeile des Bösewichts auslöschen“.
II/431





Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


Andachten anderer Tage: Heute, Gestern, Vorgestern