Zum 15. November



Selig sind die Knechte, die der Herr, so Er kommt, wachend findet. - Luk. 12, 37

„Selig sind die Knechte“, spricht der Herr. In welch hohem Grade sie selig sind, deutet Er mit der außerordentlichen Erklärung an: „Wahrlich, Ich sage euch: Er wird sich aufschürzen und wird sie zu Tische setzen und vor ihnen gehen und ihnen dienen.“ Wie viel dieses eigentlich enthält, wird uns einst die ewige Herrlichkeit des Himmels erklären. Es ist aber etwas so überaus Großes und etwas so vollkommen Wahres und Wirkliches, da unser Herr es sagt und es dazu mit den Worten bekräftigt: „Wahrlich, Ich sage euch“. Die Seligkeit des Himmels wird an manchen Stellen der Schrift unter dem Bild eines Gastmahls oder eines Essens am Tisch des Herrn dargestellt. Dieses Bild benutzt der Herr auch hier. Dass die eigentliche, hierdurch bezeichnete Sache die ist, dass der Herr in der ewigen Herrlichkeit alle Seine Gläubigen mit einer unendlichen Seligkeit und mit „den reichen Gütern Seines Hauses“ erfüllen wird, das ist gewiss. Ohne Zweifel muss dieser Ausdruck des Herrn auch bedacht werden, da Er uns damit tiefere Blicke sowohl in Seine eigene Herzensgesinnung als auch in die Sache selbst tun lässt, die Er mit dem Bild schildert.
Lasst uns darum zunächst dessen eingedenk sein, was über dieses Bild bemerkt ist, in welchem Jesus sagt, dass der Bräutigam sich aufschürzen und den Dienst eines Aufwärters am Tische verrichten, die Knechte aber am Tische sitzen lassen und vor ihnen gehen und ihnen dienen wird. Man hat dazu bemerkt, dass dieses Bild die Wirklichkeit im menschlichen Leben übersteigt, wo eher das Verhältnis gilt, das Jesus Luk. 17, 7–9 von dem Knecht erwähnt, der den ganzen Tag auf dem Acker gearbeitet hat, den man schließlich auch noch am Tische dienen lässt. Es scheint einigen allzu stark aufgetragen zu sein, hier zu sagen, dass der Bräutigam seine Knechte als Herren am Tische sitzen lassen wird, da wir sehen, dass Christus hier mit dem Bräutigam sich selber bezeichnet, der sich aufschürzen und Seinen Knechten dienen wird. Die Ursache, weshalb das Bild und diese Schilderung die Wirklichkeit im menschlichen Leben übersteigen, ist die, dass Jesus die beabsichtigte Sache selbst, nämlich das zukünftige himmlische Gastmahl und das Seinem Herzen und ewigen Ratschluss Entsprechende geschildert hat, wie Er wirklich diejenigen ehren und erfreuen wird, die Ihm treu bleiben. Da nun Seine Herzensgesinnung gegen uns und Seine hohe Absicht mit uns alles weit übersteigt, was man jemals auf Erden gesehen hat, so ist dies sicherlich eine natürliche Ursache von diesem in unseren Augen so übertriebenen Bild. Wir sollen von Christus in der himmlischen Herrlichkeit nicht etwas Fassliches oder uns Denkbares erwarten, sondern etwas, was die Gedanken aller Menschen übersteigt. Denn „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und was in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die Ihn lieben.“ Gleichwie Gott schon in der Schöpfung so außerordentlich große Dinge tat, dass kein Menschengedanke Ihm darin folgen kann, so wird Er sich auch ebenso außerordentlich groß in der Gnade und Seligkeit beweisen, die Er Seinen Freunden schenken wird, wenn Er sich vornimmt, sie nach den Mühsalen dieses Erdenlebens recht zu erquicken und zu erfreuen.
Was nun die Verheißung betrifft, dass Er Seine Knechte am Tische sitzen lassen und Er sich aufschürzen und ihnen dienen wird, so hat der Herr schon während Seines sichtbaren Aufenthalts auf Erden dafür Beispiele gegeben, und dies besonders bei zwei Gelegenheiten. Die erste war die, als Er zum letzten Male Seine Jünger versammelt hatte, um mit ihnen das Osterlamm zu essen. Dabei sprach Er davon, wie Er ein anderes Mal in Seines Vaters Reich aufs Neue mit ihnen an dessen himmlischen Mahlzeiten teilnehmen werde, worauf Er dann das Heilige Abendmahl stiftete. Da war Er der Dienende — Er teilte den Jüngern den Wein und das Brot aus, und sie empfingen es aus Seiner Hand, gleichwie Er sich da auch mit dem Schurz umgürtete und mit dem Wasserbecken umherging, um ihre Füße zu waschen. Dieses war ein äußerliches Vorbild auf das, was Er einst in dem ewigen Hochzeitssaal mit allen Seinen Gläubigen tun wird. — Die andere Gelegenheit war morgens am See bei Tiberias, wo der Herr für Seine hungrigen Jünger am Ufer Fische gebraten hatte und auch da umherging und ihnen von den Fischen und dem Brot gab.
Auf diese Weise hat Er schon auf Erden zeigen wollen, wie Er einst, wenn unsere Erniedrigungszeit in der Welt zu Ende ist, Seine Freunde im Reiche Seiner Herrlichkeit vollkommen erfreuen, ehren und beglücken wird. Wenn sie auf Erden eine kleine Zeitlang Seine Ehre gesucht haben, wird Er ihnen im Himmel eine ewige Ehre geben. Wenn sie hier eine Zeitlang sich aufgeschürzt haben zu Seinem Dienst, wird Er sich dort aufschürzen und ihnen dienen. Wenn sie Ihn hier vor den Menschen bekannt haben, wird Er sie dort bekennen vor Seinem Vater und Seinen Engeln.
O wunderbarer Tausch! O hohe, außerordentliche Ehre! Und wer hat uns dies gesagt? Sollen wir Ihm glauben? Können so herrliche Verheißungen auch wahr sein? Er, der Treu und Wahrhaftig heißt, hat es selber gesagt! Gelobet sei Sein Name ewiglich!
Hirtenstimme 1926/7

Selig, ja selig ist der zu nennen,
Des Hilfe der Gott Jakobs ist,
Welcher vom Glauben sich nicht lässt trennen
Und hofft getrost auf Jesum Christ.
Wer diesen Herrn zum Beistand hat,
Findet am besten Rat und Tat.
Halleluja, Halleluja!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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