Zum 11. November



Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, nach dem, das geschrieben steht: „Ich glaube, darum rede ich“, so glauben wir auch, darum so reden wir auch. - 2. Kor. 4, 13

Hier sagt vielleicht jemand: „Aber es gibt doch so viele fromme Christen, die von dem, was sie glauben, nie reden wollen, sondern ihren Glauben mit ihren Werken beweisen.“ Darauf kann nur geantwortet werden: Wo steht das im Worte Gottes, dass diejenigen Christen sind, die nie Lust haben, von Christus zu reden? „Aber sie sind doch so fromm!“ Ja, und doch — wo steht es geschrieben, dass sie Christen sind? Frömmigkeit, ein stiller, redlicher und leutseliger Wandel kann aus vielen Quellen kommen, ohne eine Frucht des Glaubens zu sein. Wo steht es geschrieben, dass diejenigen, die einen so großen Schatz wie Christus im Herzen empfangen haben, von Ihm schweigen können? Mit den Worten und Beispielen der Schrift vor Augen kann nur so viel eingeräumt werden, dass gewisse zarte oder sonst schwache Gnadenkinder zu gewissen Zeiten geistlich stumm sein können; nie aber war es die Meinung Gottes, dass sie stets so verbleiben sollten. Zu einer Zeit konnte Joseph von Arimathia „heimlich“ Jesu Jünger sein „aus Furcht vor den Juden“. Auch Nikodemus ging unter dem Schleier der Nacht zu Jesus. Zu einer anderen Zeit aber traten sie beide mit offenem Bekenntnis hervor.
Ganz anders ist es, wenn wir aus Schwachheit, aus Menschenfurcht oder fleischlicher Trägheit zuweilen von dem Herrn schweigen. Solches kann noch immer den Gläubigen widerfahren und wird ihnen stets vergeben, weil sie für alle Sünden sowohl Vergebung als auch neue Kraft am Gnadenstuhle suchen. Ganz anders ist es, wenn unser Glaube und unsere Geistlichkeit so sind, dass sie nie die innere Lust und den Trieb mit sich bringen, Jesus zu bekennen. Hier müssen Gottes Worte mehr gelten als die Gedanken und Meinungen aller Menschen. Und nun lehrt, wie wir schon gesehen haben, das Wort Gottes ausdrücklich, dass es erstens in der Natur liegt, wenn wir gern von dem reden, was das Herz erfüllt; zweitens lehrt es, dass der wahre Glaube das Herz mit großen, himmlischen Schätzen und mit dem Eifer um die Ehre des Herrn und das Wohl der Seelen erfüllt und dass dieses alles sich auch in unserer Rede zeigen muss. Ferner lehrt das Wort Gottes, dass die Gläubigen zu allen Zeiten Jesus bekannt haben, und zwar nicht nur mit den Werken, sondern auch mit dem Munde; „davon redet der Mund“, sagt der Herr Christus. Und die Schrift lehrt, dass sie nicht nur nach der Aufforderung, sondern aus der Fülle des Herzens redeten — „wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ So spricht der Herr.
Aus alledem folgen nun drei wichtige Lehren. Die erste ist diese: Ist es noch nicht deine Lust geworden, von dem Herrn Christus zu reden, hast du auch nicht den Liebeseifer um die Ehre des Herrn und die Errettung anderer, dass du dir wünschest, etwas reden zu können, was diesen wichtigen Dingen dienen kann, dann halte es für ausgemacht, dass du noch nicht erfahren hast, was der lebendige Glaube ist. Wenn du auch von allen anderen für einen Christen angesehen wirst, befindest du dich dennoch in einer falschen, selbstgemachten Frömmigkeit. Willst du dann der Sache in der Weise abhelfen, dass du dich jetzt zu bemühen anfängst, von Jesus zu reden, um dadurch das Zeichen des lebendigen Glaubens zu erhalten, so heißt das nur, etwas zu tun, um sich selber zu betrügen. Die Schrift redet von einem Bekennen, das aus dem vom Glauben bewirkten inwendigen Sinn und Trieb fließt, aber nicht von einem Bekennen, das von dem hervorgezwungenen Bemühen kommt, ein Zeichen seines Glaubens und seiner Erkenntnis vorzeigen zu wollen. Lass dich überzeugen, dass du die eigentliche Quelle des Bekennens, den lebendigen Glauben, nicht hast. Klage dann diese Not dem Herrn und gib dich nicht eher zufrieden, bevor du nicht zu einem solchen Glauben gekommen bist, der diese Wirkungen mit sich bringt, von denen du aus der Schrift weißt, dass sie zu allen Zeiten dem wahren Glauben folgten.
Die zweite Lehre ist diese: Bist du durch Gottes Gnade zu einem solchen Glauben an Jesus gekommen, dass es deine Lust wurde, von Ihm mit deinen Freunden zu reden und von Ihm zu Seiner Ehre und zum Heil anderer Menschen zu zeugen, ob du auch täglich durch deine große Schwachheit und Versäumnis hierin gedemütigt wirst, so wisse, dass aller deiner Mängel ungeachtet dies davon zeugt, dass Gott dir Gnade bewiesen und den Glauben und das Bekennen in dir gewirkt hat, wie unser Text, ja, die ganze Schrift es beschreiben. In unserem Fleisch und Blut liegt nie diese Lust, von Jesus zu reden, dieser Eifer um die Errettung der Menschen und um die Ehre des Herrn. So wird das Werk Gottes an seinen Früchten erkannt, auch an „der Frucht der Lippen, die Seinen Namen bekennen“.
Die dritte Lehre ist diese: Wenn du alles erfahren hast und noch dem Geiste nach Lust hast, vom Herrn zu zeugen, wenn aber die Trägheit des Fleisches, die Feindschaft oder die Freundschaft der Welt und andere Umstände dich daran hindern, wache dann und bete, dass du hier nicht dem Fleische folgst und dem Geist ungehorsam wirst; denn dann kann das Werk Gottes aufs Neue in dir erstickt werden.
Röm. 10, 10

Wollt ihr Posaunen der Gnade sein,
Räumt euch der Gnade erst selber ein;
Werdet durch die Wunden, die ihr verkündigt,
Selbst mit Gott ausgesöhnt und so entsündigt;
Danach bekennt.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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