Zum 16. September



Lasset eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen! - Luk. 12, 35

Diese Worte bezeichnen in ihrer Bildersprache dasselbe, was der Herr gleich darauf hinzufügt: „Seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn Er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn Er kommt und anklopft, sie ihm alsbald auftun.“ Der Herr will sagen: Seid zu jeder Zeit bereit für Meine Ankunft, lasst Mich und Meinen Dienst euer beständiges Ziel sein; hütet euch, dass eure Herzen in nichts anderes verstrickt, von der Welt oder dem Fleisch verblendet und beherrscht und also untüchtig werden, Mir recht zu dienen und Mich mit Freuden zu empfangen! Ich bin nicht mehr sichtbar unter euch, bis Ich Meine Braut gewonnen habe (d. h. die Gemeinde oder die Vollzahl des Menschengeschlechtes, die gewonnen werden soll); aber dann werde Ich wiederkommen in großer Herrlichkeit, Tote und Lebendige zu richten. Wacht, auf dass ihr beständig bereit seid!
Um aber für jenen Tag bereit zu sein, ist vor allem zweierlei erforderlich. Wir müssen beständig in das hochzeitliche Kleid gekleidet sein, d. h. im Glauben leben und täglich angetan sein mit der Gerechtigkeit Christi. Wir dürfen also dem Sündengefühl, das uns zu Christus treibt, nicht abgestorben sein, sondern müssen immer eine solche Not über unsere Sünden haben, dass wir nicht ohne Ihn und das Wort von Ihm leben können. Das ist die Hauptsache, um dem Richter mit Freuden begegnen zu können; denn „wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben“. Wer von Seinem Fleisch und Blut, d. h. von Seiner Versöhnung lebt, der hat die ganz bestimmte Versicherung des ewigen Lebens. Das ist die erste Bedingung, um selig sterben und vor dem Richterstuhl Christi stehen zu können.
Auf dass wir aber auch einen „reichlichen“, einen freien und friedevollen „Eingang zu dem ewigen Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ haben und nicht nur so „wie durchs Feuer“ hineinkommen, ist es ferner notwendig zu beachten, dass wir in einem gesunden Geist der Liebe leben, mit Lust und Freude Ihm dienen und nach dem trachten, was droben ist, auf dass unsere Herzen nicht mit den Sorgen dieses Lebens, mit Geiz und anderen herrschenden Sünden oder mit Hass und Unversöhnlichkeit gegen irgendeinen Menschen beschwert sind, wodurch der vertrauliche Zutritt zu Gott verhindert wird. Dass alle solche Hindernisse weggeräumt werden und der Dienst der Liebe geübt wird, das ist es, was zunächst mit den Worten gemeint wird: „Lasset eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“
Der Herr Jesus wollte uns hiermit ermahnen, das fleischliche, sichere und eitle Leben nicht wieder überhandnehmen zu lassen. Wir sehen das noch deutlicher in Vers 45 u. 46: „So aber der Knecht in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr verzieht zu kommen — und fängt an, Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen, so wird desselben Knechtes Herr kommen an dem Tage, da er sich’s nicht versieht.“ Dieser Knecht bezeichnet einen nicht nur unachtsamen, sondern ganz abgefallenen Christen, was wir daraus erkennen, dass das ganze Urteil des ewigen Zorns ihn traf, indem der Herr spricht: „Er wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen.“ Wir aber dürfen nie vergessen, dass es zu diesem erschrecklichen Ende nur kommen kann, wenn ein Christ anfängt, so unachtsam und so sicher zu sein, dass er sich weder vor den Gefahren fürchtet noch sich warnen lässt. Gerade eine solche Sicherheit führt zu einem ganzen Abfall, zu geistlichem Tode und ewiger Verdammnis. Darum ist es ganz sicher, dass wir, wenn wir errettet werden wollen, unbedingt Christi Warnung zu Herzen nehmen müssen. Wenn wir angefangen haben, weltlich, eitel und sicher zu werden, müssen wir von diesem Sicherheitslager aufstehen und alle Barmherzigkeit und Gnade Gottes suchen, um wieder zu dem ersten, gottesfürchtigen und wachsamen Geist zurückzukommen, in dem wir anfangs lebten, als Gott uns bekehrte.
Wir werden in der ganzen Heiligen Schrift — von ihrer ersten bis zur letzten Seite — keine einzige Stelle finden, die einem sicheren Menschen die Hoffnung gibt, dass es ihm wohlergehen werde. Es steht darin kein einziges Wort, welches sagt: Gott ist so gnädig und treu, dass, wenn du dich vor der Sünde und dem Teufel auch nicht fürchtest und darum sorglos bist, der Herr dir doch durch Seine Gnade helfen wird. Bedenke! Ein solches Versprechen findet sich nirgends in der Schrift. Es gibt da wunderbar gnädige Verheißungen für die Sünder, auch bei den schwersten Versuchungen und Sünden, beachte aber — stets nur für den Fall, dass der Sünder sich züchtigen lässt und zur Buße und zum Gebet kommt; dann wird allem abgeholfen — sonst aber nicht. Die Heere des Seelenfeindes werden die Sicheren bestimmt verderben. In diesem Feindesland wird der Mensch entweder im Kampf und in der Furcht sein und dann nur durch die Macht der Stärke Gottes errettet werden, oder er wird sicher und unbekümmert bleiben und dann umkommen. So geht es immer in einem wirklichen Krieg zu. So ergeht es auch dem, der sich gegen einen reißenden Strom vorwärtskämpfen muss, um nicht in die jähe Tiefe hinab gezogen zu werden. Wenn er sich in seinem Boot schlafen legt, wird er bald in der Tiefe umkommen. — Wir tragen in unserer Natur ein Verderben, das uns unausgesetzt vom Wege zur Seligkeit abzieht; dazu kommt noch die unverdrossene Arbeit der Welt und des Teufels mit demselben Ziel. Deshalb müssen wir beständig die Ermahnung des Herrn zu Herzen nehmen: „Lasset eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen!“
Hirtenstimme 1926/5

Lasst uns, solang’ wir in der Zeit,
Umgürten unsre Lenden
Und so den Lauf zur Ewigkeit
In Christo selig enden!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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