Zum 17. Januar



Wisset ihr nicht, dass alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, die sind in Seinen Tod getauft? - Röm. 6, 3

Der Apostel will sagen: Denkt doch an das zurück, was euch zu Christen gemacht hat! Ihr seid ja in Christus getauft. Diese Taufe bedeutet zugleich, dass ihr durch die Vergebung der Sünden nicht nur gewaschen und gereinigt seid, sondern dass auch das sündliche Fleisch dadurch zum Tode verurteilt und dem Tode überantwortet wurde und ganz ersäuft werden soll. Euer ferneres Leben auf Erden soll ein beständiges Töten der Sünde sein! Das ist der Bund mit Christus: „Wir sind in seinen Tod getauft — und sein Tod war ein Sterben der Sünde.“
Dies aber dürfen nicht nur Worte und Gedanken sein, sondern es muss Wahrheit, es muss Wirklichkeit sein. Möchte darum jeder ernste Christ dies bedenken! Wenn jemand, der sich zu Christus bekennt, aber noch nicht wirklich den neuen Sinn hat, der in allen Dingen den Willen seines Herrn tun will, sondern der einen oder der anderen Schoßsünde noch huldigen und sie verteidigen oder noch in vertrautem Verhältnis zu etwas offenbar gegen den Willen und die Gebote des Herrn Streitenden stehen kann, dann betrügt er sich mit einem toten Wahnglauben. In unserer Bekehrung kommen wir zu dem Bund mit Christus, in den wir getauft wurden, zurück. Aber wir sind in Seinen Tod getauft, — und Sein Tod war ein Sterben der Sünde. Da ist z. B. ein Sklave des Geizes, dem das Gewinnen und das Zusammenscharren dieses Irdischen die Hauptsache sind. Oder da ist ein Sklave der Lustsünden, der Unzucht oder der Völlerei oder der Zornsünden, des Hasses, des Neides, der Lüge und der Verleumdung. Oder da ist einer, der unredlich im Handel oder in der Arbeit ist. Wenn solche sich zur Religion, zum Worte Gottes und zum Volke Gottes wenden und jetzt den Glauben an die Gnade bekennen, in ihrem früheren Verhältnis zur Schoßsünde aber verbleiben — höre nochmals! —, dann betrügen sie sich mit einem falschen Wahnglauben. Ihre Religion, ihr Kirchen- und Abendmahlsbesuch sind unter solchen Umständen nur schnöde Heuchelei. Der Bund mit Christus ist ein heiliger Bund. „Wir sind in Seinen Tod getauft.“
Gewiss gibt es in Christi Reich viel Sünde und Jammer — und wir reden nicht davon, dass nicht auch du alles Böse in deinem Herzen und in den Lüsten und Begierden des Fleisches fühlen wirst oder dass nicht auch du fallen und dich vergehen kannst —, es gehört dem Reiche Christi aber nicht an, wollten wir im alten Verhältnis zur Sünde bleiben. „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur.“ Alle Kinder Gottes haben einen heiligen Sinn, der sich gegen die Sünde empört. Dass du noch in ruhigem, vertrautem Verhältnis zu deinem Geiz oder deiner Ehrsucht, deinem Neid oder deiner Unzucht, deinem Zorn, deiner Zanksucht oder deinem Hass stehen, demselben huldigen und es verteidigen kannst, das ist gerade das, was ganz entschieden gegen dich zeugt. Unglücklich zu fallen und sich zu vergehen, heißt noch nicht, den Bund mit Christus zu brechen. Der Sünde aber Freiheit zu geben, ihr zu huldigen und sie zu verteidigen, das heißt, den Bund zu brechen. „Wir sind in Seinen Tod getauft.“
Um die Sünde wahrhaftig zu töten, musst du einen willigen Geist haben, auch wenn es dem Fleische bitter ist. Christi menschliche Natur bebte zwar vor der Bitterkeit des Todes, doch dem Geiste nach war Er willig, den Kelch aus Seines Vaters Hand zu nehmen. So sagte Er auch von Seinen Gläubigen: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Wenn der willige Geist aus deinem Herzen entwichen ist, dann ist jeder Kampf mit der Sünde eine gesetzlich erzwungene Arbeit, ist also Heuchelei, weil er nicht aus dem Herzen hervorgeht. Wenn der willige Geist jedoch bewahrt werden soll, dann musst du im Glauben leben, in diesem seligen Trost und dieser seligen Gewissheit, dass Gott dir alle deine Sünden vergibt. Dazu musst du wissen: Wie es dir auch im Streite ergehen mag und wie dir das Bekämpfen der Sünde besser oder schlechter gelingt, steht der Gnadenbund bei Gott doch allezeit unerschütterlich fest, und du lebst in diesem Bunde, solange du in dieser Übung bleibst und dich in Christi Gerechtigkeit einhüllst; denn auf sie allein gründet sich das über alle Sünden herrschende Gnadenreich. Wenn du die Gnade glaubst und die Sünde tötest, hast du das sicherste Zeugnis, dass du, wie übel es auch oft aussehen mag, doch in der wahren Gnade lebst. Und solange du von Herzen an eine solche Gnade glaubst, wirst du stets aufs Neue belebt werden, deinem treuen Heiland zu folgen und die Sünde zu töten. Dem Fleische aber wird dieser Weg bitter. Das kannst du auch daraus schließen, dass es heißt: „In Seinen Tod getauft“; denn der Tod Christi war ein bitterer Tod. Er hat unter starkem Geschrei Seinen Geist aufgegeben. Die Kreuzigung des Fleisches wird dir oft so bitter werden, dass auch du zu schreien gezwungen wirst, wenn du in Not und Angst den Herrn anrufst. Dann gilt es, nicht zu ermüden, sondern tief zu bedenken, dass du, weil du ein Christ bist und mit Gott im Bunde stehst, ein unermesslich großes Glück erlebt hast — du gehst einer ewigen Herrlichkeit entgegen. Darum magst du gern etwas dafür leiden. Die Krone ist der schöne Lohn für alle redlich ausharrenden Kämpfer. Das ist gewisslich wahr: „Sterben wir mit, so werden wir mit leben; dulden wir mit, so werden wir mit herrschen.“
Römerbrief

Die ihr Geduld getragen
Und mitgestorben seid,
Sollt einst nach Kreuz und Plagen
In Freuden sonder Leid
Mitleben und regieren,
Und vor des Lammes Thron
Mit Jauchzen triumphieren
Und in der Siegeskron.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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