Zum 18. Oktober



Kommt und lasst uns miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden. - Jes. 1, 18

Sobald der Sünder entblößt und alles eigenen Ruhms entkleidet ist, will Gott nichts mehr. Er will jetzt nur vergeben und ihn über alles trösten. Denn es ist ja durch das eigene Wort Gottes offenbart, dass die Sünde getilgt und Gott brennend ist vor unendlichem Liebeseifer, dem Sünder zu vergeben und ihn zu trösten. Dieser aber will keine Gnade haben; sondern in seinem adamitisch starren Sinn gedenkt er, selber vor dem Herrn zu bestehen. Dieser Sinn ist der einzige Damm gegen die Gnade Gottes. Ist dieser Damm aber entfernt, dann hat Gottes Gnade freien Lauf, und damit wird alles wohl. Kann das Kind Adams gedemütigt werden, so dass es Gnade haben will — nicht nur umkehren und sich mit Gott versöhnen, sondern auch alles eigene Zutun fahren lassen und Gnade als Gnade annehmen will —, dann erhält es sofort Vergebung; dann kommt der Sünder mit der vergebenden Barmherzigkeit des großen Gottes zusammen, die grenzenlos ist und niemals ein Ende hat.
Du hast Sünden auf dem Gewissen, du gehst gedrückt und verdammt einher und kannst nicht das Geringste tun, um dieser Sache abzuhelfen. Aber höre! Du wirst frei davon, auch nur das Geringste dazu tun zu müssen, und du brauchst weder zu verzweifeln noch umzukommen. Lobe den Herrn, o Seele, „der dir alle deine Sünden vergibt“! Du hast verdient, nie getröstet zu werden, sondern immer traurig und verdammt einherzugehen; aber du wirst frei! Du darfst fröhlich sein. Du darfst deine Last abwerfen und ganz frei und froh sein, als hättest du nie gesündigt. Lobe den Herrn, meine Seele, der dir alle deine Sünden vergibt! Gott vergibt alle Sünden, unter allen Umständen und zu allen Zeiten, Er vergibt ganz unverdient und gründlich. Lerne nur das göttliche Vergeben erkennen, oder bitte Gott um den Glauben, dann wird alles wohl werden!
Viele wähnen, die Vergebung Gottes recht gut zu verstehen, in Wahrheit aber verstehen sie nichts davon. Zuerst muss beachtet werden, dass Vergebung oder Gnade der Gegensatz zu allem Verdienst ist. Paulus sagt: „Ist es nun aus Gnaden, so ist es nicht aus Verdienst der Werke; sonst würde Gnade nicht Gnade sein. Ist es aber aus Verdienst der Werke, so ist die Gnade nichts; sonst wäre Verdienst nicht Verdienst!“ Vergebung ist auch etwas ganz anderes als Entschuldigung. Gott entschuldigt die Sünde nicht, aber Er vergibt sie, weshalb auch das, was ganz unentschuldbar ist, doch vergeben werden kann. Denn Vergebung enthält reine Gnade, so dass ein Mensch, der nach allem Recht nicht geschont, sondern gerichtet und bestraft werden sollte, aus lauter Barmherzigkeit begnadigt und freigesprochen wird. Die Vergebung enthält, dass Gott nicht mit uns nach unseren Sünden handelt und uns nicht nach unserer Missetat vergilt. Seht, so ist Gott! Er handelt keineswegs mit uns nach unseren Sünden. Würde Er es auch nur einen einzigen Augenblick tun, dann würde kein Mensch errettet! Aber das ganze Reich Christi auf Erden ist lauter Vergebung für alle, die sich im Glauben an Jesus halten, ja eine beständige, eine ganz unverdiente und eine gründliche Vergebung.
Oder ist es nicht sicher und genug bekräftigt, dass Gott alle deine Sünden vergibt? Haben nicht Himmel, Erde und Hölle, ja Menschen und Geister klar und nachdrücklich zu wissen bekommen, dass Gott allen Menschen vergibt und dass niemand wegen der Größe der Sünde verdammt wird, sondern nur wegen der Verachtung der Gnade? Gott selber hat in eigener Person sowie durch Propheten und Engel, ja, auch durch den eingeborenen Sohn, durch Seine Apostel und durch eine große Schar von Evangelisten mit tausend festen Versicherungen bezeugt, dass Er Sünden vergeben will. Alle Höllenpforten werden die Zeugnisse dieser glänzenden Schar nicht vernichten oder uns die Gewissheit der Vergebung der Sünden rauben.
Die ganze Bibel enthält vom Anfang bis zum Ende eigentlich nichts anderes als die großen Veranstaltungen Gottes zur Vergebung der Sünden. Selbst das Gesetz war vornehmlich deshalb gegeben, dass wir die Vergebung schätzen und annehmen lernen möchten. Und alles, was Gottes Sohn auf Erden tat, geschah zur Vergebung unserer Sünden. Er wurde ein Menschenkind, unser Bruder und Mittler, ausdrücklich deshalb, wie der Engel sagte, dass „Er Sein Volk selig mache von ihren Sünden“. Er vergoss Sein heiliges Blut ausdrücklich deshalb, dass Er die Sünden der Welt versöhnen sollte. Er selber sagte: „Mein Blut wird vergossen zur Vergebung der Sünden.“ Er stiftete die Taufe, in der Er uns in den ewigen Gnadenbund aufnimmt. Er stiftete das Abendmahl, um uns dadurch während unserer Wanderung immer wieder eine neue Versicherung der Vergebung der Sünden geben zu können. Er lehrte uns, im Vaterunser täglich zu beten: „Vergib uns unsere Schuld.“ Würde Er alles das tun, wenn es nicht Sein ernstlicher Wille und Seine Absicht gewesen wäre, Sünden zu vergeben?
Gott hat uns wahrlich nicht Seinen Sohn vom Himmel gegeben, um die Welt zu verdammen, auch nicht nur für ein kurzes, zeitliches Gut! Alles, was der Herr getan hat, das versichert uns, dass Er einen wirklichen, ernstlichen Willen hat, uns unsere Sünden zu vergeben, uns wieder zu Seinen Kindern und liebsten Freunden anzunehmen, wie Er uns auch dazu erschaffen und uns aus lauter Gnade das ewige Leben gegeben hat.
IV/107

Lamm, Du hast meine Schulden,
Die niemand zählen kann,
Durch schmerzliches Erdulden
Auf ewig abgetan;
Du hast an meine Not gedacht
Und durch den Drang der Liebe
Dich selbst zur Schuld gemacht.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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