Zum 01. März



Verachtest du den Reichtum Seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet? - Röm. 2, 4

Dies ist ein Spruch, der alle Menschen zu ernster Besinnung erwecken sollte. Wer kann wohl alles aussagen, was in den Worten „Güte, Geduld und Langmütigkeit“ liegt? Eine ganze Welt von Gottes Wohltaten und Gnadenbeweisen, einst im Lichte der Ewigkeit erklärt — welch eine gewaltige Felsenlast auf der Seele, die sich trotzdem nie zur Buße bewegen ließ! Güte ist die Gesinnung des Wohltuns, wodurch jemand beständig den Menschen dienen will, auch den unbekannten und unwürdigen. Ein Gegenstand der Güte kann sehr unwürdig sein, ein Gegenstand der Liebe zu sein; denn die Güte will nur Gutes tun, ohne Rücksicht auf die Würdigkeit oder Unwürdigkeit des Gegenstandes. Gottes Güte ist die Eigenschaft, durch die „Er Seine Sonne aufgehen lässt über die Bösen und über die Guten und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte“. Gottes Güte ist die unerschöpfliche Quelle, aus der alle Seine Wohltaten gegen uns unaufhörlich fließen. Geduld besteht darin, dass man auch Undankbarkeit und anderes Böse erträgt, ohne sofort zu zürnen. Langmütigkeit bezeichnet eine lange geübte Geduld. Gottes Langmütigkeit bezeichnet, dass Er sich sehr langsam dazu entschließt zu zürnen und zu strafen; sie wurde gegen die Juden dadurch bewiesen, dass Er viele Menschenalter hindurch Geduld an und mit ihnen übte. Während Seine Geduld sich mit ihnen darin bewies, dass Er täglich und stündlich ihre Undankbarkeit und Sünden ertrug, bezeichnet die Langmütigkeit, dass Er eine lange Zeit, ja Jahrtausende hindurch sie noch ertrug und dass Seine Geduld durch die fortgesetzten Sünden des Volkes nicht erschöpft werden konnte. Hierüber sagt der Herr selber: „Ich recke Meine Hände aus den ganzen Tag zu einem ungehorsamen Volk.“
Nun sagt der Apostel, dass Gott nicht nur Güte, Geduld und Langmütigkeit hat oder übt, sondern dass Er auch reich an diesen Eigenschaften ist. Er spricht von dem „Reichtum der Güte, Geduld und Langmütigkeit Gottes“ und bezeichnet damit die Größe, die Ausdehnung und den Überfluss derselben, die Er in Seinem Herzen hegt und auch dadurch recht beweist, dass Er, der Allmächtige, der unendlich erhaben über uns ist, sich dennoch so lange Zeit hindurch für uns ungerechte, undankbare und hartnäckige Menschen bemüht und arbeitet, nur um uns Gutes tun zu können. Ja, der Reichtum Seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit ist so groß, dass der Verstand ihn nicht zu fassen vermag. Das wird am besten damit bewiesen, dass man oft geneigt ist, geradezu zu bezweifeln, dass es einen Gott gibt, der die Sünde hasst, wenn Er die Bosheit der Menschen so lange Zeit hindurch unbestraft lässt.
Solche Zweifel kommen nur daher, dass man die Größe der Geduld und Langmütigkeit Gottes nicht zu fassen vermag. Hier müsste man bedenken: So groß und reich, wie Gott sich in Seiner Schöpfung, Seiner Allmacht und Weisheit erwiesen hat, so groß und reich ist Er auch in Seiner Gnade und Barmherzigkeit. Blicke zum Himmel empor! Kannst du die Sterne, diese großen Weltkörper, zählen? Kannst du das Wasser des Meeres ausmessen oder die Tropfen eines großen Stromes zählen? Darum noch einmal: So groß Gott in Seinen erschaffenen Werken ist, so groß und reich ist Er auch in Seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit. Dies ist auch die Ursache dafür, weshalb Er in Seiner strafenden Gerechtigkeit eine Welt, die so voller Sünde und Undankbarkeit ist, noch nicht zunichtemachte.
Und was sollen wir nun tun, wenn Gott so groß in Seiner Gnade und Barmherzigkeit ist? Wollen wir Ihm umso dreister trotzen und umso mehr gegen Ihn sündigen? Möchte der Herr uns gnädig davor bewahren! Der Apostel fragt: „Verachtest du den Reichtum Seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?“ — „Verachtest du?“ Dies geschieht, wenn du Seine Güte mit fortgesetztem Sündenleben lohnst oder wenn du gedankenlos alles Gute vergisst, das du von Gott empfängst, dass es dich nicht im Laufe aufhält und zur Buße leitet. Bedenke: Wenn die Güte und Freundlichkeit Gottes nur mäßig wären, könnte es eine geringere Gefahr sein, Ihn so zu verachten; ein sehr mildes und sehr gnädiges Wesen aber zu verachten, nimmt gewiss ein schreckliches Ende. Denn was ist die eigentliche Meinung Gottes und Sein ernstlicher Wille, wenn Er uns so große Güte erweist? Der Apostel sagt: „dich zur Buße zu leiten“. Deine Buße hat Gott im Auge mit seiner Güte und Langmütigkeit, Buße, Sinnesänderung, dass du bereust, gegen einen so gnädigen Gott so sehr gesündigt zu haben, bereust, Ihn so lange verachtet zu haben, und dass du jetzt von deinen Sünden und Irrwegen umkehrst, Gnade und Versöhnung mit Ihm suchst und von nun an für dein ganzes Leben Sein eigen wirst. Das ist Buße. Wenn dies nun nicht geschieht, was tust du dann? Der Apostel sagt: „Du verachtest Gott und Seine große Güte, und du weißt nicht“ — dein Sinn ist so verfinstert, bezaubert und verkehrt, dass du weder bedenken kannst noch weißt —, „dass dich Gottes Güte zur Buße leitet“.
Römerbrief

Wo bist du? Wo bist du? Wie wagst du es noch
Zu frönen der Sünd und dem Tande?
Verachtest du den, der dich liebet so hoch,
Der dir naht im blut’gen Gewande?
Ach eile, ja eile zum Heiland!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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