Zum 16. November



Welcher um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt ist. - Röm. 4, 25

Diesen Spruch nennt Luther ein „Bündel, worinnen der ganze christliche Glaube zusammengefasst ist“, weshalb er ihn auch zur Überschrift der Schmalkaldischen Artikel setzte, als Grund „des ersten und Hauptartikels, von dem kein Christ weichen oder etwas nachgeben könne, es falle Himmel und Erde oder was nicht bleiben will“. Der Apostel hat diesen Spruch mit tiefem Nachdenken verfasst, weshalb er auch von uns eine tiefe Erwägung erfordert. Er enthält, wie schon bemerkt, eine kurze Zusammenfassung der Hauptstücke des Versöhnungswerkes Christi und ist durch die hier vorkommende Einteilung desselben besonders bedenkenswert.
Der Apostel sagt, dass Christus um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit (wörtlich: um unserer Rechtfertigung) willen auferweckt ist. Wenn er „dahingegeben“ und „auferweckt“ einander gegenüberstellt, so merken wir, dass mit dem Wort „dahingegeben“ — „in den Tod dahingegeben“ gemeint wird. Die Schrift stellt sonst überall den Tod Christi als Grund unserer Rechtfertigung dar, und Sein Versöhnungswerk war wirklich damit vollendet, wie Er es am Kreuz mit dem Ausruf „Es ist vollbracht!“ zu verstehen gab. Darum ist es wirklich bedenkenswert, wenn der Apostel hier sagt, dass Christus um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt ist.
Die Meinung ist ohne Zweifel diese: In Seinem Tode war Christus ein Sündenträger, beladen mit den Sünden der ganzen Welt, die Er mit Seinem Leben bezahlte. In Seiner Auferstehung war Er als unser Bürge gerechtfertigt und brachte der Welt die ewige Gerechtigkeit, das Leben und ein unvergängliches Wesen. In Seinem Tode war Er „für uns zur Sünde gemacht“ und erlöste uns dazumal von der Schuld der Sünde und dem Fluch des Gesetzes, indem Er die göttliche Gerechtigkeit befriedigte und den Tod erlitt, der der Sünde Sold war. Seine Auferstehung aber war der Sieg der Gerechtigkeit und des Lebens über die Sünde und den Tod, wodurch Sein vollbrachtes Versöhnungswerk gekrönt und besiegelt wurde. Als unser Mittler und Bürge, als der andere Adam, hatte Er es auf sich genommen, für alle unsere Sünden zu bürgen, unsere verdiente Strafe zu erleiden und die Forderung der göttlichen Strafgerechtigkeit zu erfüllen. Dies alles vollbrachte Er, als Er sich zu einem Opfer gab und uns mit Seinem Blut erlöste. Aber mit Seiner Auferstehung hat Er allen Menschen nicht nur einen Beweis davon gegeben, dass Er als Gottes Sohn für die Sünden anderer und nicht etwa gar um Seiner selbst willen litt und starb, sondern auch bewiesen, dass die Genugtuung für unsere Sünden, die Er auf sich genommen hatte, vom Vater für vollkommen gut und gültig erklärt war. Die Schrift sagt, dass „Er lebendig gemacht ist nach dem Geist“ und dadurch zugleich „im Geist gerechtfertigt ist“, d. h. freigesprochen von allen Schulden, Strafen und Urteilen, die Er als Bürge der Menschen auf sich genommen hatte. Weil unser Bürge aber so ganz an unserer Statt vor dem Gericht Gottes stand, als ob die ganze Menschheit das getan und erlitten hätte, was Er tat und erlitt — „zumal wir halten, dass, so Einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben“ —, so gilt dies auch von Seiner Auferstehung. Vor den Augen Gottes sind wir alle in Ihm enthalten, so dass Er gerechtfertigt für alle auferstand, als wären wir alle gerechtfertigt auferstanden; weshalb Er auch „der Herr, unsere Gerechtigkeit“ genannt wird. Darum ist Christi Auferstehung auch im eigentlichen Sinn der Grund unserer Rechtfertigung. Solches hat der Apostel gewiss mit den Worten sagen wollen, dass Christus um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt ist.
Christus ist durch Seine Auferstehung aber auch in das ewige Priestertum eingetreten, wodurch Er immerdar „vor dem Angesicht Gottes für uns erscheint“, „der Gerechte für die Ungerechten“. „Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zur Rechten auf dem Stuhl der Majestät im Himmel, und ist ein Pfleger des Heiligen und der wahrhaftigen Hütte“. „Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist (welches ist ein Gegenbild des Wahrhaftigen), sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns.“ Das ist gewiss unsere vollkommene Gerechtigkeit vor Gott.
Aber was hören wir hier? Christus vor dem Angesicht Gottes für uns? Ist das wahr? Dann gelten wir sicher etwas mehr vor Gott, als wir dachten. Dann sind wir gewiss vor Gottes Augen in einer hohen, vollkommenen Gerechtigkeit. Dass Christus an unserer Statt immerdar vor dem Vater erscheint und des Gottesdienstes für uns als unser Hohepriester wartet, das ist unsere vollkommene Gerechtigkeit. Unsere Rechtfertigung ist also in allen Beziehungen auf Christi Auferstehung gegründet.
Römerbrief

Nun Lob und Preis! Ich weiß nichts mehr,
Was übrig ist. Vollbracht ist alles!
Bin ich auch noch so kalt und leer,
Ist Er doch wert des Jubelschalles,
Weil alles Er für mich vollbracht
Und mir am Kreuze hat vermacht
Seine Pracht.

Wenn mich die Sünde bange macht,
Weil alle Lust sich in mir reget,
Ich Einen hab, der Tag und Nacht
Für mich des Gottesdienstes pfleget.
So stehst Du, Jesus, auch für mich
Vor Gott, „ein Priester ewiglich“,
Auch für mich.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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