Zum 18. März



Habt einerlei Sinn! - 2. Kor. 13, 11

Der Apostel ermahnt hier zur Eintracht und Demut im menschlichen Zusammenleben. Wenn nun aber jemand meinen sollte, dass Eintracht und Demut in gewöhnlichen irdischen Dingen für die Ermahnung eines Apostels und für die Betrachtung erleuchteter Christen kein genügend wichtiger Gegenstand sei, dann dürften wir im Leben bald etwas anderes erfahren, wenn wir nämlich wegen mangelnder Demut und Eintracht uns und andere in schwere Versuchungen führen und über Jesu Namen Schmach bringen. Darum hat nicht einmal der Herr Christus es für zu gering erachtet, in Seinen Predigten von Demut und Fügsamkeit zu reden, indem Er z. B. in Seiner Bergpredigt sagt: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen“, oder wenn Er bei Luk. 14 lehrt, dass man bei Tische nicht nach dem ersten Platz trachten dürfe. Wir sollen bedenken, dass das wahre Christentum die Kinder Gottes in allen Dingen geschickt und glücklich machen und sie im Leben in die Tiefe führen will, so dass wir uns nicht nur in hohen Betrachtungen aufhalten und im Leben alles das vergessen sollen, was wir gelernt haben, sondern dass wir im Gegenteil nachdenken müssen, „was wahrhaftig ist, was ehrbar, was lieblich ist, was wohl lautet“.
Mit dieser Ermahnung will der Apostel sagen: Ein Christ soll in seinem Lebenswandel nicht eigensinnig und selbstisch sein, so dass er alles nach seinem eigenen Kopf haben will, sondern er muss auch die Überlegungen, das Dafürhalten oder die Weise anderer etwas gelten lassen, wenn sie nicht bestimmt gegen das Wort und den Willen Gottes streiten. Der Apostel spricht hier gegen eine sehr tiefe Neigung in unser aller Natur, nämlich gegen den Eigensinn und die Selbstklugheit. Schon bei kleinen Kindern finden wir, sobald sie zu reden anfangen, die Neigung zu Streit und Eigensinn. Ferner sehen wir im ganzen menschlichen Leben, wie es überall nach dem Sprichwort geht: „Viele Köpfe, viele Sinne.“ Ein jeder meint, dass sein Verstand und seine Weise immer am besten seien. Wenn wir nun unserer Natur folgen und beständig für unser eigenes Gutdünken streiten wollen, dann müssen ja daraus Streit und Uneinigkeit folgen. Darum ist es eine besondere Gnade und Weisheit, wenn ein Christ auch in diesem Fall sich belehren lässt und sich zeitig daran gewöhnt, anderen nachzugeben und lieber seiner eigenen Meinung und seinem Verstande zu misstrauen, als immer für dieselben zu streiten.
Dies ist die allgemeine Lehre, die der Apostel uns hier hat geben wollen. Ist die geschilderte Neigung zum Eigensinn aber so tief mit unserer Natur verwachsen, wie wir jetzt gesehen haben, dann müssen wir darauf gefasst sein, dass sie sich auch in geistlichen Dingen geltend machen will. Darum ist es wohl wert, dass wir uns immer wieder die vielen Ermahnungen zu geistlicher Eintracht einprägen, die wir in den Briefen der Apostel finden. Von dieser geistlichen Eintracht lehrt unser Apostel aber, dass, wenn wir auch nicht in jeder Frage das gleiche Verständnis haben können — was nicht leicht geschehen kann, solange „wir es stückweise erkennen und unser Weissagen Stückwerk ist“ — wir doch „fleißig sein müssen, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens“, d. h. mit einem festen Band des Friedens, der Friedfertigkeit und der Liebe die Einigkeit festhalten, die der Geist bewirkt hat, zumal da wir doch alle die größten und wichtigsten Dinge gleich und gemeinsam haben, wir, die wir in Christus „ein Leib und ein Geist“ sind. Diese Einigkeit im Geiste und in der Rede ist sehr wichtig. Denn wer ein klareres Urteil als alle anderen zu haben wähnt und wegen seines Verständnisses Unruhe und Zwiespalt unter denen hervorruft, die in Christus schon selig und vereinigt sind, richtet damit ein viel größeres Unheil an, als wenn er sein Licht für sich behalten hätte. Aus Röm. 14 lernen wir: Wenn es auch die Wahrheit wäre, für die du streitest, dies aber in solcher Weise geschähe, dass du die Kinder Gottes aus „der Einfältigkeit in Christus verrücktest“, du dann, wie der Apostel sagt, ein solches Werk getan hast, dass du „die verderbt hast, um welcher willen Christus gestorben ist“, dass also „über deiner Erkenntnis der schwache Bruder umkommt“.
Die geistliche Eintracht und das Verbleiben der Gläubigen in der Einfältigkeit in Christus sind darum so wichtige Umstände, dass du lieber dein ganzes Leben lang schweigen und „deinen Glauben bei dir selbst vor Gott haben“ solltest, als diese zu zerstören. Die Gefahren der Zerstörung der Eintracht sind weit größer und geheimnisvoller als wir meinen; und dies ist die Ursache, weshalb die Apostel uns so viele und ernste Ermahnungen in dieser Sache gegeben haben, Ermahnungen wie diese: „Ich ermahne euch, liebe Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr allzumal einerlei Rede führt und lasst nicht Spaltungen unter euch sein“, oder wie jene andere: „Habt einerlei Sinn, seid friedsam, so wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.“
Römer 12, 16

Herr, lass doch alle Ding,
In Lieb’ allein geschehen,
Ich bitt’ und flehe drum;
Erhör’ mein armes Flehen.
Denn ich bin von Natur
Von aller Liebe leer;
Drum flöß ein Tröpflein ein
Aus Deinem Liebesmeer.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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