Zum 23. Januar



Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen! - 2. Mose 20, 7

Indem wir an die Frage gehen, wie der Name Gottes unter uns missbraucht wird, geraten wir in eine Betrachtung, die voll merkwürdiger Umstände ist, ja so merkwürdig, dass man vor Verwunderung und Schreck laut aufschreien möchte. Wir wollen hier nur den allgemeinsten, den gedankenlosen Missbrauch des Namens Gottes betrachten, oder wie leichtsinnig man Seinen Namen im Munde führt. Man meint nichts Böses damit, wenn man die großen, heiligen Namen — Gott, Jesus, Christus — entweder als ganz gedankenlose Füllworte in der Sprache oder auch als Ausdrücke von allerlei zufälligen Gefühlen und Gemütsbewegungen anwendet — ja, man weiß kaum, warum man es tut. Man findet unter den Sünden der Welt kaum eine, die so merkwürdige Umstände offenbart wie diese, wenn man betrachtet, dass sie gar nicht als Sünde angesehen wird, und zweitens, was sie durch ihr eigenes Wesen teils von dem Zustand eines Menschen, teils von der Tiefe und der Macht des Teufels und von seiner Herrschaft über die Kinder der Welt offenbart.
Im ganzen Gesetz Gottes gibt es kein Gebot, das die Kinder der Welt so sehr für nichts halten wie das zweite Gebot. Keine Sünde ist ihnen so federleicht und unwichtig wie der Missbrauch des Namens Gottes, so dass jedermann, der von ihr wie von einer schweren Sünde redet, für unvernünftig angesehen wird. Aber Gott der Herr hatte gewiss andere Gedanken, als Er nicht nur dieses Gebot gleich nach dem ersten gegeben, sondern auch daran die furchtbare Drohung geknüpft hat: „Der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der Seinen Namen missbraucht.“
Denke doch ernstlich über diese Sache nach! Dass ein Mensch die Gewohnheit haben kann, in dieser leichtsinnigen Weise, ohne sich etwas dabei zu denken, den Namen Gottes im Munde zu führen — was offenbart das von dem Zustand dieses Menschen? Es ist ja, wie jedermann einsieht, eine erschreckliche Sache, dass es nichts Geringeres als einen gottlosen Zustand offenbart — nicht nur ein sündiges Wesen, nein, etwas viel Erschrecklicheres, geradezu eine Verachtung gegen Gott, ja geradezu die herrschende Gottlosigkeit, die der Hölle angehört. Auch der schwerste Sündenfall kann nicht so sehr einen gottlosen Zustand beweisen wie diese Gewohnheit, mit Leichtsinn den Namen Gottes im Munde zu führen. Während der schrecklichste Sündenfall, allein oder an und für sich betrachtet, nie ein genügender Beweis dafür ist, dass der Sinn gottlos ist, so ist dagegen schon die genannte Gewohnheit allein ein bestimmter Beweis dafür. Wir sagen nicht, dass die andere Gewohnheit, nämlich den Namen Gottes nie zu missbrauchen, beweise, dass das Gemüt gottesfürchtig sei. Denn die fromme Gewohnheit kann auch nur von der Erziehung oder irgendeinem gesetzlichen oder menschlichen Beweggrund herrühren. Aber eine frei geübte Sünde und eine Verachtung gegen ein Gebot Gottes sind immer ein bestimmter Beweis der Gottlosigkeit.
Durch das zweite Gebot offenbart sich ferner, wie die Frömmigkeit des natürlichen Menschen beschaffen ist: Gott bedeutet nichts; Sein Wort und Name sind gleich Null, darum ist das zweite Gebot so unwichtig. Das vierte Gebot ist von Wichtigkeit; denn wir wollen gern von Kindern und Dienern geehrt werden. Auch das fünfte Gebot ist wichtig, denn töten oder getötet werden ist erschrecklich. Das sechste, siebente und achte Gebot haben aus ähnlichen Gründen ihre Wichtigkeit. Dagegen Gott, Sein Name, Sein Wohlgefallen oder Sein Verbot — was bedeutet das? So ist die Frömmigkeit der Welt. Die alte Schlange, die die ganze Welt verführt, weiß auch, wie wichtig es ihrem Reiche ist, dass die ganze Welt leichtsinnig den Namen Gottes im Munde führt; denn ein besseres Mittel konnte der Satan nicht erfinden, um die Waffen des Herrn stumpf und den Sinn des Menschen unempfänglich zu machen. Wenn die Menschen nur recht gewohnt werden, den Namen Gottes zu missbrauchen und täglich zu hören, wie er missbraucht wird, dann werden später derselbe heilige Name und dasselbe heilige Wort ihr Herz nicht sehr beunruhigen. Ohne Zweifel ist dieser hinterlistige Plan die Ursache dafür, dass eine ganze Schar derer, die sonst Gott und Sein Wort bekennen, so häufig den Namen Gottes missbraucht; denn sonst könnte man kaum den Grund dafür begreifen. Wir müssen uns hier dessen erinnern, dass der Mensch in seinem Fleische seine natürlichen Versuchungen zu anderen Sünden hat, wie z. B. zum Zorn, zur Wollust, zum Stolz und zur Ungerechtigkeit. Welches aber sind die natürlichen Veranlassungen zum Missbrauch des Namens Gottes? Welche Lüste des Fleisches werden dadurch befriedigt? Was kann darum die Ursache sein, dass die Welt so sehr beflissen ist, dem Gebot und der Drohung Gottes hierin zu trotzen? Bedenke diesen Umstand! Ja, das weiß er, der „der Fürst dieser Welt“ heißt; er hat seinen tiefen Plan und seine Berechnung dabei. Möchten darum alle Christen, die diese Tiefe des Satans erkennen, mit besonderem Eifer vor der Übertretung dieses Gebotes warnen, ermahnen und strafen, wo sie können, wegen dieser so abhärtenden Sündenübung! Und möchten alle Eltern und Lehrer in dieser Beziehung mit strenger Aufmerksamkeit über die Kinder wachen und ihnen sogleich einen ebenso großen Schrecken vor dem Missbrauch des Namens Gottes wie vor dem Teufel und der Hölle einflößen!
I/260

Lass mich nicht Dein Wort verachten,
Als wär’s menschliches Gebot,
Lass mit Ehrfurcht mich’s betrachten
Als ein Wort von Dir, mein Gott;
Dass ich auf der Schrift nur steh’,
Dass ich niemals irregeh’!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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