Zum 19. August



Das ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist; und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht. - Joh. 3, 19

Als der Herr zum letzten Mal in Jerusalem einzieht und beim Blick auf die Stadt über sie weint und noch einmal das unwiderrufliche Urteil über sie ausspricht, drückt Er die Ursache dazu mit diesen Worten aus: „Darum dass du nicht erkannt hast die Zeit, darin du heimgesucht bist.“ Als die Weingärtner die Knechte des Hausvaters misshandelt hatten und schließlich, als er seinen Sohn sandte, sagten: „Das ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten“; als diejenigen, die zur Hochzeit geladen waren, nicht nur die Einladung verachteten, sondern auch die Knechte griffen, sie höhnten und töteten, „da ward der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an“. Solange die Juden sich von den Propheten zurechtweisen ließen und das Wort schätzten, wenn sie auch dagegen sündigten, solange züchtigte und erzog der Herr sie wie ein Vater seine Kinder; als sie aber Seine Stimme nicht mehr hören wollten, sondern Seine Worte missachteten und sich schließlich an Seinem Geliebten vergriffen und dieses einzige Versöhnungsopfer gar verwarfen, da hatten sie kein anderes Opfer mehr für die Sünde, sondern nur ein schreckliches Warten auf das Gericht und den Feuereifer, der die Widersacher verzehren wird.
Der Herr spricht: „Das ist das Gericht“ — oder der Weg und die Ursache der Verdammnis —, „dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht“. Es ist also der Unglaube, der verdammt, zumal die Menschen durch das Licht ohne Entschuldigung sind; es folgt daraus, dass sie den Ermahnungen des Evangeliums nicht stillhalten wollen, sondern ihnen widerstehen und dadurch den Heiligen Geist Gottes erbittern, wie wir bei Jes. 63 lesen: „Sie erbitterten und entrüsteten Seinen Heiligen Geist; darum ward Er ihr Feind und stritt wider sie.“
„So wir uns aber selber richteten, so würden wir nicht gerichtet“, sagt der Apostel. Mit dem Menschen, der der Stimme des Herrn stillhält, seine Sünde fühlt und erkennt und sie gern los sein will, dabei aber fühlt, dass er unter der Sünde gebunden und ohnmächtig, ja, verloren ist, und der darum nur in Christus Barmherzigkeit und Errettung sucht — mit diesem Menschen hat Gott eine beständige Geduld. „Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die Ihn fürchten.“ Diesem Menschen rechnet er keine Sünde zur Verdammnis zu, sondern schaut ihn in Seinem geliebten Sohn als Sein angenehmes, wohlgefälliges, geliebtes Kind. So spricht der Herr und beteuert es bei Seinem ewigen Wesen: „So wahr als ich lebe, Ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass er sich bekehre und lebe.“ Und abermals: „Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst geben.“ Höre: „umsonst!“ Wer du auch bist, der du diese majestätischen Worte liest und merkst, dass in solchen Worten ein lebendiger, gegenwärtiger Gott und ein heiliger Eiferer redet, beuge dich schleunigst vor Ihm! Erkenne die Zeit, in der du heimgesucht wirst! Wenn es übel um deine Seele steht oder wenn du unter der Sünde gebunden und fremd vor deinem Gott bist, eile zu Ihm, der da ruft: „Komm, Ich will dir alles vergeben, erkenne nur deine Missetat, dass du wider den Herrn, deinen Gott, gesündigt hast. Auch wenn deine Sünden blutrot wären, sollen sie doch schneeweiß werden.“ „Nicht, dass du Mich gerufen oder um Mich gearbeitet, noch Mich mit deinen Opfern geehrt hättest. Nein, Mir hast du Arbeit gemacht in deinen Sünden und Mühe in deinen Missetaten. Ich, Ich tilge deine Übertretungen um Meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“ Welch gnadenvolle Worte! Gott verleihe uns die Gnade Seines Geistes zu glauben und damit die Seele zu erretten!
Ihr aber, die ihr mit Gott im Bunde steht, freut euch, dass ihr „ein unbewegliches (unerschütterliches) Reich empfangt“! In dieser Zeit der merkwürdigen Unruhe und Ungewissheit, wo beinahe die ganze Welt anfängt, die große Betrüglichkeit und das Unsichere ihres Reiches zu erkennen und wo im geistlichen die mannigfachsten Winde der Lehre jeden prüfen, ob er „das alte Wort“ verlassen will, — welch eine Gnade, jetzt sein müdes Haupt an die Brust dessen legen zu können, der da heißt „der Alte“ und „Ewig-Vater“, der da ist und der da war und der da bleiben wird. Welche Gnade, dass Sein Wort so deutlich in der Frage ist, wie wir selig werden. Darum sei Gott ewig Lob dafür, dass wir nicht nötig haben, in dieser Frage ungewiss zu sein! Lass dann nichts in dieser Welt dich sehr beunruhigen!
Alles ist unsicher, alles ist eitel, außer diesem einen — Gottes Freundschaft und die Gewissheit des ewigen Lebens zu haben. Die Zeit ist kurz. „Die sich freuen, seien, als freuten sie sich nicht; die da weinen, als weinten sie nicht; die da kaufen, als besäßen sie es nicht; denn das Wesen dieser Welt vergeht“ — bald haben wir alle gleich viel. Selig darum alle, die sich Seiner getrösten! Welch ein himmlischer Trost in allen Widerwärtigkeiten schon in der Zeit, dass nicht das Geringste mir widerfahren kann ohne die Zusendung meines Vaters! Das Geringste, was mein Herz erfreut, ist von meinem Vater gesandt; das Geringste, was mich beunruhigt und betrübt, ist mir auch von meinem Vater gesandt. Dies ist der einzige Grund eines friedevollen Herzens in dieser unruhigen Welt. Darum noch einmal: „Freuet euch und seid fröhlich, die ihr des Herrn harret! Er ist bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Hirtenstimme 1910/125

Auf, Christenmensch, auf, auf zum Streit!
Auf, auf zum Überwinden!
In dieser Welt, in dieser Zeit
Ist keine Ruh’ zu finden.
Wer nicht will streiten, trägt die Kron’
Des ew’gen Lebens nicht davon!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


(Neu) Andachten anderer Tage: Heute, Gestern, Vorgestern