Zum 02. März



Ich sage aber von solcher Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen und auf alle, die da glauben. - Röm. 3, 22

In diesen Worten wird uns eine wichtige Frage beantwortet. Wenn Gnade suchende Menschen viel von der seligmachenden Gerechtigkeit Gottes hören, haben sie gewöhnlich noch eine wichtige Frage auf dem Herzen, nämlich diese: „Wie, wann und wodurch werde auch ich dieser Gerechtigkeit vor Gott teilhaftig? Die ganze Welt ist erlöst, aber darum werden nicht alle Menschen selig. Wie soll ich wissen, dass ich der Gerechtigkeit Gottes teilhaftig bin?“ — Hier hast du die Antwort. Es ist dieselbe, die in der ganzen Schrift enthalten ist. Hier steht: „Die Gerechtigkeit vor Gott kommt durch den Glauben an Jesus Christus.“ Das ist ein gewisser Glaube an Jesus Christus, der darum auch im Grundtext der „Glaube Jesu Christi“ genannt wird. Und die Gerechtigkeit Gottes, sagt der Apostel, „kommt zu allen und auf alle, die da glauben“. Das ist die Antwort Gottes. Es mag dir scheinen und dein Gefühl mag sein, wie es wolle, Gott sagt trotzdem überall in der Schrift: „Wer da glaubt“, „durch den Glauben“, „aus dem Glauben“, „glaube an den Herrn Jesus“ usw.
Aber dann ist noch eine andere Frage wichtig, nämlich diese: „Was ist der Glaube? Was wird mit dem Glauben an Jesus Christus gemeint?“ — Auf diese Frage erhältst du nirgends eine so sichere Antwort, keine so sichere Beschreibung dieses seligmachenden Glaubens, als wenn du jene Stellen in der Bibel beachtest, an denen Jesus den Glauben eines Menschen als seligmachend anerkennt. An allen jenen Stellen, von denen Er sagt „dein Glaube hat dir geholfen“ oder ähnliches, kannst du erkennen, was der seligmachende Glaube ist, wenn du beachtest, wie jene Menschen beschaffen waren, die dieses Zeugnis erhielten. Du wirst bei ihnen allen stets ein und dasselbe finden: Es war ein Sünder, der mit allem, was er nach dem Gesetz versucht hatte, nicht gerecht werden und Frieden finden konnte, sondern im Gegenteil immer unglücklicher und ratloser geworden war, jetzt aber das Evangelium von Christus gehört und deshalb zu Ihm gekommen und unverdiente Gnade gesucht hatte. Das Gesetz und der Propheten Zeugnisse von Christus waren dem Volke bekannt; später kam auch Johannes der Täufer und wies auf das Lamm Gottes hin; schließlich traten Christus und Seine Apostel mit der Predigt des Evangeliums auf. Dies aber wurde von allen denjenigen, die ihren Trost in ihrer eignen Gerechtigkeit hatten, für ein Nichts geachtet. Nur entblößte und ratlose Sünder wurden durch den lieblichen Geruch zu Christus hingezogen; und jetzt ging es so, wie Johannes sagt: „Wie viele Ihn aufnahmen, denen gab Er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an Seinen Namen glauben.“ Durch solchen Glauben wurden sie nun neue Menschen und damit dem Herzen, der Gesinnung und allen Kräften nach ganz umgewandelt, „von Gott geboren“, so dass sie ihr ganzes Leben lang Christus anhingen und Seine Nachfolger waren.
Solches siehst du in der ganzen Schrift. Daraus weißt du, was der seligmachende Glaube ist, nämlich nicht ein bloßes Wissen von Gott, von Christus und dem Evangelium, auch nicht, dass du dasselbe nur für wahr hältst und davon redest, sondern dass du in deiner eigenen Sündennot — und niedergeschlagen über alle deine Besserungsversuche, deine tägliche Reue, dein Gebet, deine Gottesfurcht usw. — von dem Evangelium von Christus und der Gerechtigkeit Gottes in Ihm so eingenommen worden bist, dass du dich ohne dieselbe nicht zu bergen weißt. Jetzt hast du ein solches Herz, das nach dieser Gnade hungert und dürstet, so dass, wenn du sie wirklich glauben und dir aneignen kannst, du dann einen herzlichen Trost, eine herzliche Freude und Lust an Gottes Gesetz erhältst, einen vertraulichen Kindschaftsgeist, der ruft: „Abba, lieber Vater!“
Sieh, mit einem solchen Herzen bist du ein ganz anderer Mensch als alle Ungläubigen. Das ist der seligmachende Glaube. Und obschon du jetzt Lust an Gottes Gesetz hast und alle Sünde dir eine Plage ist, so dass du gern in allen Dingen heilig sein wolltest, kann es dir doch noch so ergehen, dass du zuweilen „vor Unruhe deines Herzens heulst“ und nahe am Verzweifeln bist und dich zuweilen ganz kalt und tot fühlst. Bei all diesen Wechseln bist du aber doch immer in Christus gerecht, in der Gerechtigkeit Gottes, nur durch den Glauben an Christus.
Unsere Gerechtigkeit in Ihm wird darum hier eine Gerechtigkeit durch den Glauben an Jesus Christus und nach Kap. 4, 13 die „Gerechtigkeit des Glaubens“ genannt. Sie wird nie die Gerechtigkeit einer anderen Gnadengabe genannt, wie z. B. die Gerechtigkeit der Buße, der Demut oder der Liebe. Damit ist zu erkennen gegeben, dass sie nicht in einigen Geistesfrüchten besteht, sondern dass sie die eigene Gerechtigkeit des Sohnes ist, die wir nur durch den Glauben annehmen. Sie besteht nicht in dem Glauben selbst; weil wir sie aber durch den Glauben annehmen, wird sie „die Gerechtigkeit des Glaubens“ genannt.
Römerbrief

Dass Jesus gekommen
Und starb für mich,
Dass Er hat genommen
Den Fluch auf sich,
Das ist und bleibt die Gerechtigkeit,
Damit ich besteh’ in Ewigkeit.
Zur Gnade eilen,
Der Gnade trau’n,
In Gnade weilen,
Auf Gnade bau’n,
Das ist allein meine Seligkeit
In aller Not, aller Traurigkeit.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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