Zum 21. September



Siehe, des Herrn Hand ist nicht zu kurz, dass Er nicht helfen könne; und Seine Ohren sind nicht hart geworden, dass Er nicht höre. - Jes. 59, 1

Es gibt Menschen, die sich wohl in allen Stücken als rechte Christen beweisen und doch in gewisse Sorgen und Nöte vertieft einhergehen, als wären diese nie zu ändern, als gäbe es eine Not, in der unser Gott nicht helfen könnte, als wäre Gott tot oder ohnmächtig geworden und als ob das Kind des Höchsten in irgendeiner Sache unglücklich sein müsste. Zwar scheinen sie Glauben und Erkenntnis genug zu haben; aber in einer gewissen Not oder Schwierigkeit ängstigen sie sich und seufzen und trauern in einer solchen Weise, als gäbe es keinen Gott und Heiland. Werden sie daran erinnert, Gott zu vertrauen, dann antworten sie: „Wohl weiß ich, dass Gott mächtig und treu ist, aber hier ist ja ein Verhältnis, dem nicht abgeholfen werden kann.“ — Dieser Geist der Sorge kann zuweilen jeden Christen angreifen. Aber es ist nur Finsternis, Unglaube und Irrtum, wenn ein Christ sich für unglücklich und sein Verhältnis für unabänderlich ansieht. Der Herr spricht: „Ist Meine Hand nun so kurz geworden, dass sie nicht erlösen kann? Oder ist bei Mir keine Kraft zu erretten? Oder habe Ich kein Herz mehr für euch? Wo ist der Scheidebrief eurer Mutter, mit dem Ich sie entlassen hätte? Oder wer ist Mein Gläubiger, dem Ich euch verkauft habe?“
Es liegt also lauter Finsternis und Irrtum in dem Gedanken, dass ein Christ in irgendeinem Fall unglücklich sein müsste. Ein Kind Gottes ist nie unglücklich, es kann in Wirklichkeit nicht unglücklich sein. Denn ein Kind Gottes zu sein, ist an und für sich schon ein solches Glück, dass jedes Unglück des Lebens — wenn auch demselben nicht abgeholfen werden könnte — dagegen nur wie ein kleines Sandkorn gegen die ganze Erde, nur wie der Verlust eines Pfennigs gegen den Gewinn von Millionen ist. Und unser Gott kann allem abhelfen, „die rechte Hand des Höchsten kann alles ändern“. Sollte Er aber in einer Sache nicht helfen oder sie nicht ändern wollen, weil Er es nicht für gut hält, dann darf dies die Kinder Gottes nie unglücklich machen, weil sie sicher zu ihrem Glück gerade in dieser Lage verbleiben müssen, gemäß den Worten des Apostels: „Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Das ist der große Vorzug, den alle Kinder Gottes anderen Menschen gegenüber haben, dass — was ihnen auch immer geschehen mag — ihnen alles unbedingt zu ihrem Besten dienen muss. Die Welt kann wohl mehr Gold und Silber, mehr Speise und Trank, mehr Scherz und Vergnügen haben, in das glückliche Verhältnis aber kann sie nie kommen, in dem die Kinder Gottes leben, denen alles zu ihrem Besten dienen soll, wohingegen die Welt alles zu ihrem Schaden anwendet. Und wenn der Welt alles am besten zu sein scheint und sie aufs höchste gekommen ist, dann ist es nichts weiter, als dass sie des Teufels Sklavin und Miterbin des ewigen Feuers ist. Wenn dagegen die Kinder Gottes es am ärgsten haben und am tiefsten in das Jammertal der Leiden und Versuchungen hinabgeführt werden, wenn Hiob im Sack und in der Asche sitzt und jammernd seine Wunden schabt, wenn Jeremia in der Grube voller Schlamm, Daniel in der Löwengrube und der arme Lazarus mit Wunden und in Fetzen vor des Reichen Tür liegen, ist es nicht ärger mit ihnen, als dass sie mitten in alledem des Herrn „Augäpfel“, Seines Herzens Lust, Kinder der Gerechtigkeit, das heilige Volk und das Eigentumsvolk sind, um schließlich von den Engeln in Abrahams Schoß getragen zu werden.
Die Kinder Gottes können also nie unglücklich sein. Selbst das Unglück muss ihnen zum Nutzen gereichen — und was noch mehr ist, selbst die Sünde, die das größte Übel ist, wird sie nicht verdammen, der Teufel sie nicht überwinden, der Tod ihnen nicht schaden, vielmehr müssen all diese grässlichen Feinde auf den Wink des Herrn ihnen zum Nutzen gereichen.
Hieraus erkennen wir, dass es keine Not gibt, in der unser Gott nicht helfen kann, dass keine Macht uns von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, zu scheiden vermag und kein Feind Ihm die Schafe Christi entreißen kann. Um jemals verlorenzugehen, müssten sie wie unsere ersten Eltern „vorsätzlich“ von Christus weggehen, vorsätzlich Seiner Stimme ungehorsam werden, bezaubert von der Stimme der Schlange und dem Betrug der Sünde. Hier ist der Grund für die wichtige Wahrheit, dass kein Christ verlorengeht, solange er sich davor fürchtet, Gottes Wort schätzt, dasselbe hört und sich sagen lässt. Solange kann keine Gewalt ihn von der Liebe Christi scheiden, wäre er auch noch so schwach, sähe es auch noch so übel aus und läge er auch noch so tief im Elend. Allem kann abgeholfen werden, solange er Hilfe bei dem Herrn sucht, und zwar in Übereinstimmung mit der Weise, in der der Herr zu helfen versprochen hat. Denn es ist unmöglich, dass jemand, der dem Herrn vertraut und Ihn im Glauben anruft, dennoch schließlich zuschanden würde. Forscht in der Schrift von Anfang der Zeit an und untersucht, ob jemand, der auf den Herrn gehofft und Ihn angerufen hat, jemals zuschanden geworden ist. Es ist nur ein jämmerlicher Unglaube, wenn ein Christ in irgendeiner Lage trauert, als hätte er keine Hoffnung. Denn allem kann unser Gott abhelfen. Er ist ein allmächtiger, treuer Vater, der in allem für Seine Kinder sorgt, an allem teilnimmt, was ihnen zustößt, sie schützt, pflegt und ihnen hilft, wie geschrieben steht: „So spricht der Herr Zebaoth: Wer euch antastet, der tastet Meinen Augapfel an.“
IV/193

Fass’ im Glauben kühnen Mut,
Hilf’ wird dir Dein Helfer senden;
Mit der Hand, die Wunder tut,
Wird Er deine Leiden enden;
Er ist lauter Lieb und Huld;
Hoffe, Herz, nur mit Geduld!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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