Zum 24. Juli



Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden. - Mark. 16, 16

Wollen wir ein Bibelwort haben, in dem alle herrlichen Schätze der Taufe in kurzen, starken und erklärenden Worten enthalten sind, dann finden wir ein solches in Gal. 3, 27: „Denn wie viele euer auf Christus getauft sind, die haben Christus angezogen.“ Gott helfe uns, dass wir diesen Umstand einmal recht beachten möchten!
Seht, das ist das Geheimnis unserer unbegreiflichen Reinheit und Wohlgefälligkeit vor Gottes Augen. Wir haben Christus angezogen. Wir stehen nicht mehr in unserer eigenen Person vor den Augen Gottes, sondern in der Person Seines Sohnes Jesus Christus, gleichwie Christus am Versöhnungstage nicht in Seiner eigenen Person vor Seinem Vater stand, sondern in unseren Personen, als der einzige Sünder für alle Sünder, indem Er die Sünden der ganzen Welt trug und damit die Welt angezogen hatte. Nun haben wir in der Taufe Christus angezogen und werden darum von Gott nicht nach dem betrachtet, was wir selber sind, sondern nach dem, was Christus ist. Wir stehen vor Gott in Christi Kleidung, in Christi Person, in Christi Gerechtigkeit. Das heißt „Christus angezogen haben“. Alles das, was Christus für uns war, tat und besaß, ist in der Taufe auf uns übertragen und uns geschenkt worden. Denn Er hatte — nach Seinem gnadenreichen Wohlgefallen — durch Seine Worte von der Taufe die ganze Seligkeit in sie hineingelegt und mit ihr verbunden. Daher kommt es, dass so viele, die auf Christus getauft wurden, auf einmal alles angezogen haben, was zum Seligwerden gehört, nämlich den ganzen Christus und Sein ganzes Verdienst, so dass alles, was Er für uns war und ist, so ganz und gar unser ist, als wären wir es selber in unserer eigenen Person, und dass alles, was Christus an unserer Stelle tat, so ganz und gar unser ist, als hätten wir es selber getan. Denn wir haben Christus angezogen.
Aber was ist denn Christus? Erstens ist Er lauter Reinheit und lauter Gerechtigkeit. Darum sind auch wir lauter Reinheit und lauter Gerechtigkeit. In uns selber? Nein, nur in Ihm. „Denn Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden Gottes Gerechtigkeit in Ihm.“ Weiter: Christus ist angenehm und schön, so dass der Vater Sein ganzes Wohlgefallen an Ihm hat. Christus ist Gottes Sohn und der Erbe des Reichs; darum sind auch wir Gottes Kinder, Gottes Erben und Miterben Christi.
Jetzt verstehen wir, wie es zuging, dass die schwachen Jünger ganz rein waren. Jetzt verstehen wir die Bedeutung des Spruches: „So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christus Jesus sind.“ Obwohl sie in ihrem Fleisch und an ihren Füßen, in ihrem Wandel noch viel Unreines und viele Gebrechen haben, kann dennoch nichts ihnen zur Verdammnis gerechnet werden; denn sie sind gerade darum in Christus gekleidet, damit sie nicht mehr nach dem, was sie selber sind, sondern nur nach dem angesehen und gerichtet werden sollen, was Christus ist. Nun verstehen wir, weshalb es vom Propheten vorausgesagt war: „Und dies wird Sein Name sein, dass man Ihn nennen wird: Der Herr, unsere Gerechtigkeit.“
Wer dieses Geheimnis recht versteht, von dem kann man in Wahrheit sagen, dass er etwas weiß. Er ist der Gewalt des Teufels weit entflohen und hat einen unerschütterlichen Grund des wahren göttlichen Friedens in seinem Herzen. Wer aber dieses Geheimnis weder versteht noch verstehen will, der hat keine rechte Einsicht in das Evangelium und kann darum auch weder sich selber noch anderen raten, kann ohne dieses Geheimnis auch niemals in seinem Leben zu einem wahren Frieden, auch nicht zu einer wahren Heiligung gelangen, geschweige denn anderen dazu verhelfen. Darum ist diese Erkenntnis zur Seligkeit für jeden Christen so überaus wichtig und notwendig; dann könnte er endlich einmal ein warmes, christliches Herz sowohl gegen seinen Gott als auch gegen seine Mitmenschen und einen wohlbegründeten und heilsamen Frieden in seinem Herzen erhalten. Denn dringt dies in ein Menschenherz hinein, dass er nicht mehr in eigenen Kleidern vor Gott steht, sondern dass er in Christus gekleidet ist und in Ihm ganz rein, angenehm und wohlgefällig vor Gottes Augen ist und dass ihm seine Sünden, die ihn so jämmerlich plagen, nie zugerechnet werden sollen, dann wird er ein neuer Mensch. Dann ekelt es ihn vor allem Eigenen, sowohl vor seiner Frömmigkeit als auch vor seiner Unfrömmigkeit. Dann wird Christus und nur Christus sein Alles in Allem, sowohl seine Gerechtigkeit als auch seine Heiligung, ja der Mittelpunkt seines Lebens und seiner Gedanken. Dann liebt er Ihn und Seine heiligen Wege; dann nimmt er Abschied von seiner früheren Welt, seinem früheren Wesen in der Sünde und der Eitelkeit. Dann will er gern seinem Herrn folgen und Ihm dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Dann steht auch seine Hoffnung allein zu Ihm, indem er kindlich bittet: „Nimm Du, mein lieber Jesus, mein ganzes Herz, reinige Du mich, töte Du mein Fleisch!“ Seht, dieses wird durch die Taufe sowohl in uns bewirkt als auch vorbildlich bezeichnet, weshalb der Apostel sie „das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes“ nennt.
I/175

Hier zieh’n wir Jesum Christum an
Und decken unsre Schanden
Mit dem, was Er für uns getan
Und willig ausgestanden.
Es wäscht uns Sein hochteures Blut,
Das macht uns heilig, fromm und gut
In Seines Vaters Augen.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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