Zum 20. Februar



Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten. - Matth. 5, 13

Möchten doch alle wiedergeborenen Christen verstehen und bedenken, in welcher Gefahr sie in den Zeiten schweben, in denen das Christentum Beifall und Friede erhält und die Welt fromm ist und eine freundliche Miene macht! Dann laufen sie Gefahr, bestrickt und in Lauheit und Weltlichkeit hineingezogen zu werden sowie ihre geistliche Kraft und ihre Entschiedenheit zu verlieren. Und es ist traurig zu sehen, wie das Salz seine Kraft verliert. Dann macht man sich ein eigenes, ganz passendes, gemütliches und angenehmes Christentum, das sich nur mit einigen Andachtsübungen und einigen schönen Werken der Menschenliebe befasst, denen die Welt Beifall geben und die sie preisen kann. Aber die Neugeburt des Herzens, „die Buße vor Gott“ sind weniger wichtig, daran eilt man schnell vorüber! Höre darum, wie Christus spricht: „Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten.“
Wenn ein Christ um der Menschen Gunst willen die Kraft und die Entschiedenheit des Geistes verliert, so dass er nicht mehr das Böse mit Wort und Beispiel zu strafen und Christus zu bekennen vermag, dann ist er hinfort zu nichts mehr nütze, denn dass er von den Leuten „zertreten“ werde; — er wird allen Menschen gegenüber so überaus fügsam, dass er sich alles gefallen lässt und zum mindesten durch sein Stillschweigen das sündliche, gottlose Wesen bestärkt, das er bestrafen sollte. Dann hat das Salz seine Kraft verloren, das Licht ist unter den Scheffel gestellt. Der Grund dafür ist der, dass man Frieden und Freundschaft mit allen haben will. Es ist ein Mangel im Gnadenleben, in der Sündenerkenntnis und im Glaubensverhältnis zum Heiland. Wenn dieses aufgefrischt und Christus dir lieber wird, dann wird der Liebeseifer des Geistes auch mächtiger als die Freundschaft oder der Hass aller Menschen.
„Habt Salz bei euch“, sagt der Heiland, jedoch nicht das Salz der Natur oder das Bittersalz der gereizten Laune; hier ist von dem wahren Eifer der Liebe die Rede, den nur der Geist Gottes wirkt. Sei gern zart, mild und sanftmütig in deinen Ermahnungen! Hüte dich vor allem groben, ungeschickten Verfahren, wenn es gilt, so zarte Sachen wie das Selbstgefühl der Menschen zu berühren! Ja, befasse dich nicht damit, wenn nicht die Liebe und Demut so in deinem Herzen walten, dass sie aus deinem ganzen Wesen wahrgenommen werden können. Lass aber die Vorsicht und die Demut nicht zu einer kraftlosen Geschmeidigkeit werden, die jetzt gar nichts mehr tut, dafür aber aus Besorgnis für das menschliche Gefühl und die Ruhe der Mitmenschen ihre Seelen zur Hölle fahren lässt, ohne dass du mit einem einzigen Wort versucht hast, sie zu warnen. Bedenke die Ewigkeit! „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Die Liebe sei nicht falsch; hasset das Böse, hanget dem Guten an. Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzt.“
Aber nicht nur durch das Bekenntnis und die zärtliche, brüderliche Ermahnung sollen wir die Kraft und den Ernst des Christentums beweisen, sondern auch durch „unseren ganzen Wandel“. Einem Christentum, das nicht wie Salz in den Augen der Welt beißt, sondern von ihr gebilligt und als ganz passend gepriesen wird, fehlt gewiss das Salz, die Kraft und die Salbung. Der Herr Christus sagt: „Wehe euch, wenn euch jedermann wohl redet!“ Und der Apostel schreibt: „Der Welt Freundschaft ist Gottes Feindschaft.“ Halte still und bedenke solche Worte! Sie können nicht verworfen werden, denn es sind Worte des Herrn. Wenn du nur zufällig und in einer vereinzelten Beziehung von der Welt gelobt wirst, so ist das etwas anderes und kann gemäß den Worten des Apostels einem Christen wohl anstehen: „Durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte“. Dass aber die eigentliche Richtung deines Wesens und deines ganzen Wandels der Welt gefällt, das ist etwas, was sich gar nicht mit den Worten und dem Beispiele Christi und Seiner Apostel verträgt. Halte doch still und bedenke dies, auf dass du nicht vergeblich läufst! Die Jahre eilen dahin, und der Tod kommt ja oft so unerwartet. Wenn dann dein Weg nicht der rechte war, so ist das über alle Beschreibung traurig.
IV/397

Was sagen die fliehenden Stunden wohl mir?
Sie sagen: O Seele, wach recht!
Und folg’ nicht den losen Verächtern allhier
Und werd’ nicht der Lüste ein Knecht!
Ach möge die Welt nicht aufs Neue betör’n
Das Herz, das einmal sie nicht wollte hörn;
Ach sei wachsam!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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