Zum 17. August



Unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit Seinem Sohne Jesus Christus. - 1. Joh. 1, 3

Dies ist ein großes, verborgenes Geheimnis, das auch die „geheimnisvolle Vereinigung“ genannt wird, das dabei aber doch eine ernste Wirklichkeit ist. Es ist schon in dem göttlichen Ewigkeitsratschluss mit dem Menschen und in seiner Erschaffung begründet. Der Apostel sagt: „Wir sind göttlichen Geschlechts.“ Dies sei als erster Grund gesagt. Aber diese Vereinigung mit Gott, die durch den Sündenfall gestört wurde, erhielt noch einen neuen, herrlicheren Grund in der Menschwerdung Christi. In Ihm wurden Gott und Mensch in einer Person vereinigt. „Er soll Immanuel heißen“, Gott mit uns, Gott in unserem Fleisch. Dadurch ist der Mensch zu der Ehre und Würde erhoben, dass er Gottes Wohnung und Gemeinschaft, ein Leib und ein Geist mit dem Herrn sein kann.
Diese Vereinigung fängt an, wenn ein zerschlagener Geist nach dem Herrn und Seiner Gerechtigkeit hungert und dürstet. Dann ist die Herzenstür aufgemacht, „dann“, spricht der Herr, „werde Ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit Mir“. Der Bräutigam sucht die Braut, und die Braut sucht Ihn, wer würde dann die Vereinigung hindern können? Christus sagt, dass Er in einer solchen Seele „wohnen“ will. Zwar ruft die Vernunft: Nein, nein, unmöglich! Aber was hilft’s? Es ist der eigene, wundersame Ratschluss des Herrn. Er selber hat gesagt: „Wer Mich liebt, der wird Mein Wort halten, und Mein Vater wird ihn lieben, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ Kannst du dies nicht begreifen, dann bedenke nur, wer dieser Herr ist, der solches sagt. „Bei Ihm ist nichts unmöglich.“ Was sollte dem Allmächtigen leichter sein, als das zu tun, was Er will! Nun ist der Ratschluss Seines eigenen Willens und Sein freies Wohlgefallen, dass Er sich mit dem Menschen wieder vereinigen und in Seinen Kindern auf Erden wohnen und leben will. Bei Joh. 17, wo Jesus mit Seinem Vater redet, sagt Er: „Ich in ihnen und Du in Mir, auf dass sie vollkommen seien in eins.“ Ja, es steht ausdrücklich so da. Kann etwas noch deutlicher sein? Und Paulus sagt: „Ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott spricht: Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln.“ Gerade durch diese innige Vereinigung werden wir, wie Petrus sagt, der göttlichen Natur teilhaftig.
Seht! Dies ist nun das erste, was zu unserer Gemeinschaft mit dem Vater und Seinem Sohne Jesus Christus gehört. Mit dieser Vereinigung folgt zweitens die Teilhaftigkeit an den Gütern Christi, an Seinem Reich und Seinen Schätzen. Wir kennen aus dem ganzen Evangelium Gottes „die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass, ob Er wohl reich ist, ward er doch arm um unsertwillen, auf dass wir durch Seine Armut reich würden“. Er ist wahrlich nicht um Seinetwillen ein Mensch geworden. Es geschah alles um unsertwillen und uns zugute, wie die Schrift es so deutlich bezeugt: „Den, der von keiner Sünde wusste, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir Gottes Gerechtigkeit würden in Ihm.“ Ist dies nicht ein feiner Tausch! Er nimmt unsere Sünden auf sich und gibt uns Seine Gerechtigkeit. Die Braut war arm und schuldbeladen; aber der Bräutigam übernimmt ihre Schulden und gibt ihr Seine Reichtümer. Dies ist der Hauptinhalt des ganzen Evangeliums. Zum anderen enthält dies aber auch, dass ein jeder, der an Christus glaubt und mit Ihm vereinigt wird, in demselben Augenblick auch alles dessen teilhaftig wird, was Christus uns erwarb: Seines Gehorsams, Seiner Heiligkeit, Seiner Gerechtigkeit, der Verdienste Seines Leidens und Sterbens; alles wird so ganz unser eigen, als hätten wir selber getan und gelitten, was Er tat und litt. Wenn ein armer Sünder nach dieser Gnade zu hungern und zu dürsten anfängt und sie mit dem Glauben des Herzens umfasst, dann wird dieses ganze Verdienst Christi ihm geschenkt und ihm zugerechnet als sein eigenes Verdienst, seine eigene Gerechtigkeit, deren er sich sein ganzes Leben lang gegen seine täglichen Sünden und Gebrechen getrösten soll.
Beachte aber! Es ist durchaus nicht genug, dass du dies weißt und oft gehört hast, sondern es muss solange beherzigt, beschaut und betrachtet werden, bis dein Herz Trost daraus erhält und du mit Ernst sprechen kannst: „Es ist mein!“ Dann erst gibt es Leben, dann erst hebt ein seliger Umgang zwischen der Braut und dem Bräutigam an. O welch wundersamer und hoher Trost, mit dem Glauben des Herzens sprechen zu können: „All das meinige ist Sein, und das Seinige ist mein. Meine Sünde ist Seine Sünde, meine Not wurde Seine Not; aber Seine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit, Sein Gehorsam ist mein Gehorsam, Sein Blut ist meine Reinheit, Sein Tod ist mein Leben! Gelobet sei Sein Name! Gegen meine Sünde stelle ich Seine Gerechtigkeit, gegen meine Kälte Seine Liebe, gegen meine Schwachheit Seine Stärke — und spreche: Bin ich sündig, so ist Christus gerecht; bin ich kalt, so ist Christus warm; bin ich verzagt und ängstlich, so ist Christus durchaus nicht verzagt, Er weiß Rat. Kurz, all das Seinige ist mein, und das meinige ist Sein.“ Er selber will, dass wir so glauben.
IV/307

Was Du bist, bist Du alles mir zur Freude;
Dein ganzes Reich ist nun mein Gut und Weide;
Denn was Du tat’st vom Kleinsten bis zum Größten,
Ist mir zum Besten.