Zum 20. Januar



Wendet allen euren Fleiß daran und reichet dar in eurem Glauben Tugend. - 2. Petr. 1, 5

Wenn wir alle teuren Verheißungen Gottes recht bedenken, dann müssten wir wohl vor Gram über unsere erschreckliche Kälte und unseren Ungehorsam vergehen, dass wir nicht beständig daran denken, wie wir mit allem Fleiße unseren Glauben in einem göttlichen Leben beweisen möchten. Alles, was zum Leben und zur Gottesfurcht dient, ist uns gegeben, so dass wir trotz unserer Schwachheit nicht Knechte der Sünde zu sein brauchen. Wir haben die größten Verheißungen von Gott selber, der unmöglich lügen kann, Verheißungen, die schon in dieser Zeit bezeugen, dass wir der göttlichen Natur teilhaftig werden und in Ewigkeit bei Ihm leben sollen! Sollten wir dann nicht die kleine Zeit hindurch, die wir noch zu leben haben, unsere höchste Fürsorge darin sehen, jetzt nur Ihm zu leben, der uns das alles gegeben hat, nur suchen, Ihm zu gefallen und zu Seinem Preis beizutragen, und darum unseren ganzen Fleiß daran zu wenden, dass in unserem Glauben Tugend bewiesen werde? — O bedenke dies doch, du, der du ein begnadigtes Kind Gottes bist! Bitte Gott um Vergebung für alle deine Versäumnisse und um Gnade, hinfort etwas Besseres zu beginnen.
Wenn der Apostel sagt: „Und reichet dar in eurem Glauben Tugend“, so bezeichnet „Tugend“ hier einen heiligen Eifer, Kraft und Trieb zum Guten. Unser Glaube soll kein totes, unwirksames Wissen oder nur eine träge Ruhe sein. Wenn wir so herrliche Dinge glauben, wie sie in den Verheißungen Gottes enthalten sind, dann sollen wir uns auch in unserem ganzen Wandel so beweisen, wie es sich einem so begnadigten und glücklichen Volk hier auf Erden geziemt. Man sieht oft in dieser Beziehung etwas, was sowohl traurig als auch merkwürdig ist, nämlich dass es Menschen gibt, die wirklich zu einem neuen geistlichen Leben gelangt zu sein scheinen, bei denen es aber zu gleicher Zeit so ist, als wüssten sie nicht, dass die Gnade, die sie empfangen haben, im Leben zur Tötung des alten Menschen angewendet werden soll und muss. Sie vermögen so manche Unart gänzlich zu übersehen, so, als wüssten sie nicht, dass eine jede Sünde gekreuzigt und getötet werden soll. Wenn diese nun doch geistliches Leben haben, dann beweist ein solches Verhältnis aber eine geistliche Schläfrigkeit und Trägheit, und aus dieser will der Apostel uns hier aufwecken, wenn er darauf dringt, dass in unserem Glauben Tugend gefunden werde — Eifer, Kraft, Wirksamkeit. So sagt er selber von dem Zweck dieses Briefes: „Dies ist die andere Epistel, die ich euch schreibe, in welcher ich euch erinnere und erwecke euren lauteren Sinn.“ — O möchte nun ein jeder, der dies liest, sogleich in sich gehen und nachdenken, ob nicht ein solches Verhältnis bei ihm gefunden werden könnte, eine christliche Pflicht, die er noch versäumt, eine Sünde, die er noch nicht aufrichtig kreuzigt. Denn in diesen zwei Stücken muss die Kraft der Gottesfurcht bewiesen werden, nämlich all das Gute zu tun, was in unserem Beruf möglich ist, sowie der Sünde zu entfliehen und sie vollends zu kreuzigen.
Du also, der du glaubst und begnadigt bist, z. B. aber mit einem starren und zornigen Sinn zu kämpfen hast, hüte dich vor demselben! Gib ihm keine Freiheit, sondern folge dem Beispiel deines Heilandes, „welcher nicht wieder schalt, da Er gescholten ward, nicht drohte, da Er litt, Er stellte es aber dem anheim, der da recht richtet“. — Du, der du glaubst und begnadigt bist, aber mit einer schweren Begierde des Fleisches zu kämpfen hast, hüte dich! Höre die Worte des Apostels: „Ich ermahne euch als die Fremdlinge und Pilgrime: Enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten.“ — Du, der du glaubst und begnadigt bist — dein Herz aber ist so von irdischen Dingen, von deinen irdischen Gütern, deinem Geschäft usw. eingenommen, dass du zuerst und zuletzt an diese denkst und von ihnen redest, — wisse, dass dies ein ernstes Zeichen dafür ist, dass du nicht recht nüchtern und wach bist. Ja, wenn du nicht aufwachst, dann werden diese Dornen die gute Saat in dir ersticken, so dass du ein falscher Christ wirst, mit dem Munde und mit einigen frommen Beobachtungen geistlich, im Herzen aber irdisch. — Du, der du glaubst und alle herrlichen Dinge besitzt, die Gott uns in Christus gegeben hat, dabei aber deine Mitmenschen in geistlichem Tod und geistlicher Sicherheit einer ewigen Verdammnis entgegeneilen sehen kannst, ohne das Geringste zu ihrer Erweckung zu tun und mit ihnen von allem anderen redest, in der Stille aber von ihrem künftigen Unglück weißt, — erwache und bitte Gott um eine aufrichtige, beständig in deinem Innern wirkende Liebe, dass du Gelegenheit, Mittel und Wege suchst, deinen Mitmenschen zur Errettung zu dienen! — Du, der du glaubst und begnadigt bist, deinem armen Bruder aber in seiner Not dein Herz verschließest, obwohl du ihm mit deinen Mitteln helfen könntest, — wie bleibt die Liebe Gottes in dir? Töte hier dein Fleisch, das alles für sich und die Seinigen behalten will. — Sieh, aus solchen Beispielen kannst du merken, was es heißt, dass in dem Glauben Tugend, heilige Kraft und Eifer gefunden werden. Hierzu sagt der Apostel: „Wendet allen euren Fleiß daran!“ Bittet Gott um Seinen Heiligen Geist, so zu glauben und so zu lieben, dass es sich in eurem ganzen Wandel beweist! Gott vergebe uns allen, worin es bei uns mangelt. Er erfülle uns mit solcher Freude und Kraft aus den teuren und größten Verheißungen, die Er uns geschenkt hat, dass eine wirkliche Besserung folgen möge!
IV/276

Hilf Gott, Du Herr der Herrlichkeit,
Dass ich von Herzen allezeit,
Mich halte zu dem Einen;
Dass ich stets glaub an Jesum Christ
Und Liebe übe ohne List.
Mein Trost bist Du alleine.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.