Zum 26. Oktober



Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. - Röm. 8, 14

Dieses ist das entscheidende Kennzeichen! Von allen Menschen auf Erden sind nur die Gottes Kinder, die hier in der Zeit vom Geist Gottes getrieben, regiert und geleitet werden. Welche nicht vom Geist Gottes getrieben werden, die sind nicht Gottes Kinder. Also lehrt dieser Spruch uns das allgemeine Kennzeichen, durch das Gottes Kinder von den anderen Menschen unterschieden sind. Überall in der Welt werden wir einen deutlichen Unterschied sehen. Die meisten Menschen leben nur nach dem Fleisch, entweder in einer freien und groben Weise nach ihren eigenen Lüsten und dem Lauf dieser Welt oder aber in einer feineren Weise, indem sie ihre eigene Gerechtigkeit aufrichten, jedoch ohne vom Wort und Geist regiert zu werden. Daneben aber ist ein anderes Volk vorhanden, das ständig mit der Frage umgeht, wie man recht glauben und Christus nachwandeln solle, Menschen, die bei all ihren Gebrechen und ihren Klagen darüber doch dieses Bestreben zu ihrem Hauptanliegen haben, an Christus zu glauben und Ihm nachzuwandeln, ihr Fleisch zu töten und ihren Herrn sowohl mit Worten als auch mit Werken zu bekennen, so dass ihr ganzes Leben in entgegengesetzter Richtung zu demjenigen der übrigen Welt verläuft. Solches wird niemals vom Fleisch und Blut bewirkt, es geschieht nur durch den Geist Gottes; und „welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“.
„Gottes Kinder“ — eigentlich „Söhne Gottes“! Welcher Mensch kann etwas so Großes glauben und bedenken! Diejenigen, die dies leicht glauben können, bedenken gewiss nicht das, was diese Worte enthalten, während diejenigen, die es bedenken können, es auf Erden sicher nie vollkommen zu glauben vermögen. Es ist viel zu groß, unsere engen Herzen können es nicht fassen. Bedenke! Nicht Knechte und Mägde, sondern Kinder, Söhne und Töchter des großen, allmächtigen Schöpfers! Wie groß das ist, kann einigermaßen verstanden werden, wenn wir die vom Apostel hier angewandten Worte betrachten. Wenn wir Kinder sind, sind wir auch Miterben des eingeborenen Sohnes — „Christi Miterben“, — und Christus ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern. Wie aber sollen wir dies verstehen? In wahrer Bedeutung jemandes Kind zu sein, pflegt ja gewöhnlich zu bedeuten, von ihm geboren zu sein. In dieser Bedeutung können wir wohl nicht Gottes Kinder sein? In einer gewissen Bedeutung ist zwar „der Erstgeborene des Vaters“ allein Gottes Sohn, als vom Vater in Ewigkeit geboren und Seinem Wesen nach Gott. Aber in einer anderen Bedeutung sind auch alle Kinder Gottes auf Erden von Gott geboren, da sie durch den Geist „neue Kreaturen“, neue Wesen geworden sind. Wir werden gewöhnlich in zweierlei Weisen jemandes Söhne. Die erste geschieht durch die Geburt, die zweite durch die Annahme. Es hat dem großen Gott gefallen, dass wir in diesen beiden Weisen Seine Kinder sein sollen. Von der letzteren Weise redet der Apostel in Eph. 1, 5, wo er sagt: „Er hat uns verordnet zur Kindschaft gegen (für) sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen Seines Willens.“ Von der ersteren Weise redet Johannes oft, indem er z. B. sagt: „Gottes Kinder, welche nicht vom Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.“ Und abermals: „Wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde, denn Sein Same bleibt bei ihm, und kann nicht sündigen, denn er ist von Gott geboren.“
Welche Wunder des Himmels auf dieser sündigen Erde! Sie trägt lebendige Kinder Gottes, die von Gott geboren sind. „Welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind Seine Gerichte und unerforschlich Seine Wege!“ Dass wir Kinder Gottes sind, ist die Summe alles dessen, was der dreieinige Gott als Schöpfer, Versöhner und Seligmacher für den Menschen getan hat. Ist es dir gar zu viel, dass du ein Kind Gottes sein sollst, so bedenke doch: Gott erschuf den Menschen im Anfang dazu, als Er ihn zu Seinem Ebenbilde und zum Erben alles dessen machte, was Er erschaffen hatte, ja, Er bereitete auch die Wohnungen des Himmels für ihn. — „Aber“, sagst du, „wir sind ja gefallen, wir sind voller Sünde.“ Bedenke dann! Gott gab deshalb Seinen eingeborenen Sohn dahin, um Mensch zu werden wie wir, damit Er uns mit Seinem Gehorsam bis zum Tode die verlorene Kindschaft wieder erwerbe. Ist es dir unwahrscheinlich, dass du Gottes Kind sein sollst, weil du noch so viele Sünden fühlst, so bedenke, was Christus dafür tat. Wenn du aber wiederum sagst: „Deshalb sind in der wahren Bedeutung des Wortes nicht alle Menschen Gottes Kinder“, dann wird geantwortet: Darum werden wir auch von Gott geboren, aus dem Geist geboren! Wenn du bei aller Bosheit und allem Streit des Fleisches doch nie frei sündigen, nicht „Sünde tun“ kannst, weil „der Same Gottes“ in dir bleibt und der Geist Gottes gegen die Sünde streitet, dich straft, erquickt und leitet, dann bedenke die Worte unseres Textes: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Wenn wir also auf die Gründe unserer Kindschaft, nämlich auf die eigenen Werke des dreieinigen Gottes blicken, dann werden wir noch bei unserem ganzen Elend und allen Widersprüchen des Herzens bekennen, dass wir, so wahr Gott größer ist als unser Herz, doch in Wahrheit Gottes Kinder sind, so viele wie der Geist Gottes treibt.
Römerbrief

Nun bitten wir den Heiligen Geist
Um den rechten Glauben allermeist,
Dass er uns behüte bis an das Ende,
Wenn wir heimfahr’n aus diesem Elende.
Kyrieleis!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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