Zum 23. September



Ich rate dir, dass du Gold von Mir kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, dass du reich werdest. - Offb. 3, 18

Beachte, dass der Herr hier sagt: „Kaufe von Mir!“ Bedenke eine Weile, was das besagen will, dass der Herr in diesem brennenden Geiste, in hohem, majestätischem, ernst mahnendem Ton sagt: „Ich rate dir, dass du von Mir kaufest, von Mir!“ Das heißt ja alle unsere eigenen Werke, alles Selbstgemachte abweisen und sich aufs kräftigste einprägen, dass einzig und allein das vor Gott gilt, was vom Sohne ist. Aber „kaufen“? Wie geschieht das? So spricht der Herr: „Wohlan alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser; und die ihr nicht Geld habt, kommt her, kauft und esst, kommt her und kauft ohne Geld und umsonst, beides, Wein und Milch.“ Und abermals: „Wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ Beachte „umsonst“! Von solchem Kaufen sagt Er hier: „Ich rate dir, dass du Gold von Mir kaufest“; d. h.: Ich rate dir, dass du mit deiner eigenen Arbeit aufhörst und nur glaubst, nur von Mir annimmst. Gewiss redet Er hier in einem halb strafenden Ton, einem ernst ermahnenden Geist; aber desto lieblicher ist es, wenn Er hier gleichsam sagt: Ich befehle dir, dass du selber nicht das Geringste tust, um Mich gnädig oder dich warm zu machen; Ich befehle dir, dass du von deinem Selbstwirken abstehst und nur annimmst, was Ich dir anbiete. Ich befehle dir zu glauben, dass das, was Ich getan habe, hinreichend für dich ist!
Wer Gnade zur Besinnung erhält, um diese Worte des Herrn gläubig und aneignend zu betrachten, der wird erfahren, dass sie eine laue Seele wirklich brennend, eine kalte und tote lebendig und warm machen können, denn hier ist alles groß und herrlich. Erstens’ hat der Herr kurz zuvor die stärkste Beschreibung des Elends und der Unwürdigkeit der Person gegeben, der dies alles angeboten wird, so dass kein einziger weder sich entziehen kann noch dastehen oder zu unwürdig sein muss, an allem Anteil zu haben. Sodann ist dies der eigene ernstliche Ratschluss des großen Herrn und Sein majestätisches Wort an einen so unwürdigen Sünder, welchem Ratschluss gegenüber alle unsere Gedanken, Meinungen und Gefühle wie Spreu und wie Sandkörner gegen einen großen, hohen Berg sind.
Aber was mag Christus wohl mit diesem „Gold“ meinen, das Er anbietet? Man hat gemeint, dass es der Glaube sei; aber der Glaube ist hier mit dem Kaufen bezeichnet, welches begehren und glauben bedeutet. Das Gold, das gekauft werden soll und das den eigentlichen Reichtum ausmacht, bezeichnet das, was mit dem Glauben umfasst wird, nämlich das teure Blut und das ganze Verdienst Christi, das in dem Feuer Seiner Qualen durchläutert ist und von dem Petrus sagt: „Wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid, sondern mit dem teuren Blut Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.“ Der Apostel will sagen: Um jemanden zu erlösen, ist Silber und Gold erforderlich; das Gold aber, womit wir erlöst sind, ist nicht das vergängliche, sondern das unvergängliche, nämlich das teure Blut Christi. Dieses Blut oder das Verdienst Christi ist der einzige, der alleinige Reichtum eines armen Sünders. Der Glaube selbst ist nicht der Reichtum, der vor Gott gilt. Wer vor Gott bestehen will, dem ist es nicht genug, dass er seinen eigenen Glauben oder seine Reue, sein Gebet, seine Liebe, seine Demut darbringt. Denn nicht einmal das, was der Heilige Geist in uns gewirkt hat, kann uns verteidigen und im Feuer des Gerichts bestehen, es ist noch immer unvollkommen wegen der Schwachheit des Menschen. Wer vor dem Gericht Gottes bestehen und „reich“ vor Ihm genannt werden will, der muss etwas Höheres und Vortrefflicheres haben, nämlich das Gold, das zuvor im Gericht Gottes durchläutert und geprüft ist. Und das ist die Gerechtigkeit Christi.
Bedenke ernstlich, welchen Wert dieses Gold hat, das Jesus hier anbietet, nämlich Sein teures Blut. Du bist sündig und arm, du bist zehntausend Talente schuldig, du hast so oft grob und ungebührlich gesündigt. Lege aber dieses ganze Elend in die eine Waagschale und in die andere das vergossene Blut des Sohnes Gottes und sage, welches mehr gilt. Gewiss sind unsere Sünden groß und ungebührlich; seitdem ich aber aus Seinem eigenen Munde gehört habe: „Dies ist Mein Blut, welches vergossen wird zur Vergebung der Sünden“, und von Seinem Apostel: „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde“, wird meine arme, sündige und betrübte Seele voller Trost und Freudigkeit, und ich fange wieder an aufzuleben, ja brennend zu werden in meinem Geist. Kann es eine hinreichendere Versöhnung geben als Christi Blut? Welche Sünde eines endlichen Wesens kann den Wert des Blutes des Unendlichen überwiegen? Und Jesus sagt hier zu dem unwürdigsten, aus seiner Gnade gefallenen Manne: „Ich rate dir, dass du Gold von Mir kaufst, dass du reich werdest.“ Er bezeugt also, dass er durch dieses Gold reich werden sollte — nicht nur schuldenfrei, sondern auch reich.
III/350

Ich kann mir selbst nicht raten,
Das Gift ist angeerbt,
Und meine besten Taten
Sind durch und durch verderbt.
Gott lob, ich darf so kommen,
So elend wie ich bin,
So werd’ ich angenommen;
Er nimmt den Jammer hin.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.