Zum 18. September



Gehorsam ist besser als Opfer und Aufmerken besser als das Fett von Widdern. - 1. Sam. 15, 22

Wir hören hier, dass es sich vor Gott nur um den Gehorsam handelt. Daraus sollen wir lernen, dass das eine Werk vor Ihm ebenso groß ist wie das andere, dass also der Wert eines Werkes nur vom Gebot Gottes abhängt. Wenn Gott es befohlen hat, ist es ein großes, wichtiges Werk, und wäre es auch so klein, wie einen Strohhalm aufzuheben; wenn Er es aber nicht befohlen hat, ist es weniger als nichts, und wäre es auch so groß, wie etwa einen Toten aufzuerwecken oder die ganze Welt zu bekehren. So bleibt denn einzig und allein das offenbarte Wort und Gebot Gottes unseres Fußes Leuchte und die Richtschnur unseres Wandels.
O dass wir alle gründlich darüber nachdächten, was Gott uns befohlen hat! Jeder Christ hat zweierlei von Gott auferlegte Pflichten, erstens einige besondere oder die des Berufes, zweitens die allgemeinen oder die gelegentlichen Liebesdienste gegen den Nächsten. Von den ersteren sagt die Schrift: „So ermahne ich euch nun, dass ihr wandelt, wie sich’s gebührt eurer Berufung, mit der ihr berufen seid. Alle Glieder haben nicht einerlei Geschäft. Ein jeglicher, wie ihn der Herr berufen hat, also wandle er. Die Beschneidung ist nichts, und die Vorhaut ist nichts, sondern Gottes Gebot zu halten. Ein jeglicher bleibe in dem Beruf, darinnen er berufen ist“ usw. Von den allgemeinen Pflichten heißt es: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“
Dennoch muss bemerkt werden, dass gerade in der Berufstätigkeit gewöhnlich die meisten Liebesdienste gegen den Nächsten ausgeübt werden. Was den Beruf betrifft, so gibt es wenige Menschen, die recht bedenken, wie Gott gerade da hinein Seine ersten und vornehmsten Forderungen an uns gelegt hat. Man muss deshalb offene Augen haben und sehen, wie vom Throne Gottes im Himmel bis an die niedrigste Stelle auf Erden in allen Dingen eine Ordnung und Einrichtung Gottes waltet. Gott, der „ein Gott der Ordnung“ ist, hat es so geordnet, dass der eine Regent, der andere Untertan; der eine Hausherr, der andere Diener; der eine Vater oder Mutter, der andere Kind; der eine reich, der andere arm; der eine verheiratet, der andere unverheiratet sein soll, — gleichwie an einem Leibe das eine Glied Auge, ein anderes Ohr, ein drittes Hand, ein viertes Fuß ist. Welch ein seliges Leben würde es auf Erden geben, wenn jeder bedächte, dass es hinsichtlich unseres Wandels Gottes erster Wille, Seine erste Forderung ist, dass ein jeder das Werk seines eigenen Berufes verrichtet, zumal dies ein wahrer und heiliger Gottesdienst ist, der dem Herrn wohlgefällt, und dass man mitten im Haushalte und bei den einfachsten Werken in einem heiligen Tempel steht und den wohlgefälligsten Gottesdienst verrichtet. Aber hierzu ist ein geistliches Auge erforderlich, das nicht nur auf das sieht, was vor Augen ist, sondern das auch auf die Ordnung und den Befehl Gottes blickt. Wenn wir mit unseren Augen Gott vor uns sähen und Ihn einen Dienst von uns begehren hörten, und wäre es auch der allergeringste, dann würde er uns nicht mehr gering sein, sondern erhielte sogleich einen hohen Wert, und wir würden ihn schon deshalb mit größter Lust ausüben, weil wir Gott damit dienen könnten.
Luther sagt: „Wenn Gott mit Seinen Engeln dich eines Tages besuchte und hieße dich das Haus kehren, würdest du dich wohl so selig achten, dass du nicht wüsstest, wie du dich dazu stellen solltest, — wahrlich nicht um des Werkes willen, das an sich gering war, sondern um dessen willen, der dir’s befohlen hat.“ Nun hat Gott dir wirklich solche Befehle gegeben, wenn Er dich z. B. Magd oder aber Kind im Hause hat werden lassen. Zu ihnen hat Er gesagt: „Seid euren leiblichen Herren gehorsam“ — „Ehre Vater und Mutter“ — tue also, was sie dich tun heißen! Das ist Gottes Befehl. So siehst du also, dass, wenn dein Vater, deine Mutter, dein Hausherr (oder Hausmutter) dir befiehlt, etwas zu tun, Gott mit Seinem vierten Gebot daneben steht und spricht: „Ja, gehe und tue es!“ Der Apostel sagt: „Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen.“ Beachte! Um des Herrn willen. Das bedeutet, dass diese menschliche Ordnung im Grunde genommen eine göttliche Ordnung, ein Befehl Gottes ist — nämlich solange sie eine rechte Ordnung und nicht eine teuflische Auflehnung gegen ein Gebot Gottes ist. Sie ist eine Ordnung Gottes, weil Gott sie eingerichtet hat.
Es ist wichtig und notwendig, dass Christen solche Stellen der Schrift gründlich beachten und diesen Umstand oft bedenken. Denn wie oft greift uns der Satan in diesem Punkte an und bewirkt bei dem einen Trägheit und Versäumnis, bei dem anderen die grässlichsten Anfechtungen und Versuchungen, die ihn mit Macht und Gewalt von seinem Beruf ablenken und ihn neidisch und unstet machen wollen, so dass er sich bei keiner Sache wohl befindet, sondern hin- und hergeworfen wird. Möchten wir darum in jeder Lage die Worte des Herrn bedenken, die Er uns heute sagen lässt: „Gehorsam ist besser als Opfer.“
IV/147

Du heißt mich andern dienen;
Und dien’ ich treulich ihnen,
So folg ich Dir, mein Gott!
Drum lass der Herrschaft Willen
Mich gerne treu erfüllen;
Es ist Dein Wille, Dein Gebot.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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