Zum 18. Juli



Du rühmst dich des Gesetzes und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes; denn eurethalben wird Gottes Name unter den Heiden gelästert, wie geschrieben steht. - Röm. 2, 23–24

Hier fasst der Apostel alles das, was er vorher in diesem Kapitel gesagt hat und noch hätte sagen können, in eine einzige zerknirschende Schlussbemerkung zusammen. „Du rühmst dich des Gesetzes und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes.“ Das heißt doch: Gerade dadurch, dass du dich des Gesetzes Gottes rühmst und dennoch einen sündlichen Lebenswandel führst, bringst du Unehre und Schmach über Gott und Sein Wort; „denn eurethalben wird Gottes Name unter den Heiden gelästert, wie geschrieben steht.“ Ihr lebt in einer solchen Weise, dass die Heiden, die eure Werke sehen und dazu hören, dass ihr euch der Erkenntnis des wahren Gottes und Seines Gesetzes rühmt, denken müssen, dass dieser Gott und dieses Gesetz nicht gut sein können, wenn ihr, die ihr Sein Volk seid, so böse Werke tut. Bei euren eigenen Propheten klagt Gott darüber und spricht: „Sie hielten sich wie die Heiden, zu denen sie kamen, und entheiligten Meinen heiligen Namen, dass man von ihnen sagte: Ist das des Herrn Volk?“ Dies ist der eigentliche Schwerpunkt in dieser zerknirschenden Strafpredigt, die der Apostel den Juden hält.
Mit unserem Lebenswandel dem teuren Namen Gottes Schmach zu bereiten, ist eine so furchtbare Sache, dass ein frommes Herz bei dem bloßen Gedanken an die Möglichkeit, solches getan zu haben, ganz vergehen müsste. Und hier sagt der Apostel nun von den Juden, dass sie einen solchen Lebenswandel führten, dass selbst die Heiden in der Finsternis sie strafen konnten und dass sie um ihretwillen den Namen Gottes lästerten. Wie hoch meinte der Jude wegen der vielen und großen Vorzüge über den Heiden zu stehen! Wie blickte er mitleidig auf sie als auf „Blinde“, die in der „Finsternis wären“, herab! — Wenn man bedenkt, dass der Apostel ihm jetzt die Anklage entgegenschleudert, dass selbst die Heiden um eben seiner Sünden willen Gott verachten und lästern lernten, dann muss man sagen, dass dies eine schrecklich zerknirschende Gegenüberstellung war. So muss das Menschenherz zerschlagen und zunichtegemacht werden, wenn eine Neugeburt, eine wahre Annahme des Heils und ein seliges Glaubensleben aus der im Evangelium verkündigten Gnade zustande kommen soll. Dies war auch die Absicht des Apostels mit dieser zerknirschenden Predigt. Das hieß: „Dem Herrn den Weg bereiten, alle Berge und Hügel erniedrigen.“ Er musste in solcher Weise verwunden und betrüben, auf dass sein herrliches Evangelium hernach um so besser heilen und erquicken würde.
Was der Apostel hier von den Juden sagte, hat leider eine allzu passende Anwendung auf die meisten Namenschristen, besonders auf die Schriftgelehrten unter uns, also auf die Lehrer, die sich selber nicht lehren, sondern in ihrem unbußfertigen Wesen weiterleben. Ach dass ein jeder, der diese Worte des Apostels liest, sie zu Herzen nehmen und bedenken möchte, ob sie nicht auch ihn betreffen!
Du bist durch die heilige Taufe in den Bund Gottes aufgenommen, du gehst vielleicht auch zum Sakrament des Leibes und des Blutes Christi, du hast vielleicht eine gute Erkenntnis des Christentums, so dass du zu anderen das Wort Gottes richtig reden kannst und vielleicht auch von der Notwendigkeit der Bekehrung oder von einem wahren Glauben und einem heiligen Lebenswandel sprichst; aber wie ist es mit deinem eigentlichen Wesen, wie mit deinem Herzen und Leben bestellt? Das ist ja die rechte Anwendung des Textes. Lebst du in der Buße zu Gott? „Keine Kreatur ist vor Ihm verborgen.“ Er kennt sie. Lebst du in einer wahren Glaubensvereinigung mit deinem Heiland? Lebst du in einer täglichen Übung der Heiligung, dein eigenes Fleisch, seine Lüste und Begierden zu töten? Oder besteht dein Christentum etwa nur im Wissen und Reden, so dass du zwar sagst, man solle Gott über alle Dinge lieben, lebst aber selber noch in der Verehrung deiner kleinen Götzen, ohne dich davor zu fürchten oder am Gnadenstuhle darüber zu klagen? Vielleicht legst du anderen alle Gebote Gottes aus und schärfst sie ihnen ein, bist aber selber ein Flucher? — Vielleicht bist du ein Sabbatschänder? — Vielleicht lebst du im Hass gegen einen Mitmenschen — oder in einem geheimen Laster? — Prüfe dich! Das wäre eine entsetzliche Heuchelei!
Aber der Herr, der Allmächtige und Heilige, sieht es; Er kennt dich. In dieser Weise „häufst du dir den Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes“, so wahr Gott nicht lügt. Und in dieser Weise gibst du anderen Anlass zur Lästerung und Verachtung der heiligen Lehre, die du selber bekennst. Deine Hausgenossen und Nachbarn werden sich auf deine Gottlosigkeit stützen und sich ihres unbekehrten Zustandes getrösten. Du trägst also dazu bei, diejenigen zu verderben und zu verhärten, um welcher willen Christus gestorben ist. Das wird Er eines Tages von dir fordern. Wenn du nur Seine Religion nicht bekenntest, dann versündigtest du dich an dir selber; jetzt aber versündigst du dich an dem heiligen Namen des Herrn und an Seinen Teuererkauften. Deshalb spricht der Herr: „Was verkündigst du Meine Rechte und nimmst Meinen Bund in deinen Mund, so du doch Zucht hassest und wirfst Meine Worte hinter dich?“
Römer 2, 21–24

So tief liegt man im Sündenkot
Und denkt, es habe keine Not;
Man rühmt, dass man von Irrtum frei
Und Gottes wahre Kirche sei.
Ihr unverschämten Mäuler, schweigt und wisst,
Dass solch ein Volk der Kirche Schandfleck ist.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.