Zum 19. Dezember



Er, der Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, wird auch eure sterblichen Leiber lebendig machen um deswillen, dass Sein Geist in euch wohnt. - Röm. 8, 11

Er wird eure sterblichen Leiber lebendig machen. Diese Worte zeigen, dass unsere eigenen Leiber, gerade die Leiber, die in die Erde gelegt werden, durch Gottes Allmacht wieder zum Leben hergestellt werden sollen, obwohl so verwandelt und verherrlicht, dass sie in dieser Hinsicht nicht dieselben wie zuvor sein werden. Das war auch schon dem Hiob offenbart, als er sagte: „Ich werde danach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.“ Und der Prophet Jesaja sagt: „Deine Toten werden leben und mit dem Leichnam auferstehen: Wachet auf und rühmet, die ihr unter der Erde liegt; denn dein Tau ist ein Tau des grünen Feldes. Aber das Land der Toten wirst du stürzen.“
Jede Seele wird am Jüngsten Tage mit ihrem eigenen Leib, mit dem sie hier in der Zeit Gutes oder Böses tat, mit dem sie Gott oder dem Teufel diente, wieder vereinigt werden. Denn gleichwie der Leib hier das Organ oder Werkzeug der Seele war, so muss er auch an der Seligkeit oder den Plagen teilhaben, die in der anderen Welt folgen, je nachdem der Mensch im Reiche der Finsternis gelebt und der Sünde gedient hat oder im Reiche Christi lebte und dann um Seinetwillen das Gute getan hat.
Aber wie schon angedeutet, werden die auferstandenen Leiber so verwandelt sein, dass sie für das Ewigkeitsleben, in das sie eintreten sollen, geeignet sein werden. Das Verwesliche muss anziehen das Unverwesliche, und diejenigen, die mit Christus und Seinem Geist vereinigt waren, werden dann Seinem verklärten Leib ähnlich sein. Gleichwie sie hier das Bild des ersten Adam getragen haben, der von der Erde und irdisch war, so werden sie in der Auferstehung das Bild des anderen Adam, des himmlischen, tragen. In Phil. 3 lesen wir von Christus: „Welcher unseren nichtigen Leib verklären wird, dass er Seinem verklärten Leib ähnlich werde nach der Wirkung, mit der Er sich auch alle Dinge untertänig machen kann“. Gleichwie das Angesicht Christi, als Er auf dem Berge verklärt wurde, „leuchtete wie die Sonne und Seine Kleider wie ein Licht wurden“, so werden auch, den Worten Christi gemäß, „die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich“. — Gott der Herr stärke uns den Glauben! Das Geheimnis und die Herrlichkeit der Auferstehung sind unendlich viel höher, als dass die Menschenvernunft es fassen könnte, so dass derjenige, der hierüber seinen Verstand und seine eigene Meinung befragen will, in der finsteren Nacht des Unglaubens und der Zweifel enden muss. Hier ist es erforderlich zu wissen, an wen man glaubt, zu wissen, ob Er sowohl allmächtig als auch wahrhaftig ist, und dann weiß man, wie es in der Auferstehung zugehen wird. Dann aber ist es hier wichtig, den Herrn mehr als einmal um die Gabe des Glaubens zu bitten.
„Um deswillen, dass Sein Geist in euch wohnt.“ Mit noch größerem Nachdruck wiederholt der Apostel hier den Grund ihrer Gewissheit einer herrlichen Auferstehung, nämlich dass der Geist Gottes schon in ihnen wohnte. Er will sagen: Bedenkt, wenn Gott euch schon Seinen Geist gab, wenn eure Leiber schon auf Erden Gottes Tempel waren, in welchen Er wohnte und wirkte, die Er heiligte und reinigte, dann bezeugt dies gewiss, dass Er etwas Herrliches aus ihnen zu machen gedenkt. Es wäre eine Herabsetzung der Majestät und der Ehre des Heiligen Geistes, wenn diese Seine Tempel, eure Leiber, als Trümmer beiseitegelegt und vernichtet werden würden. Möchte ein jeder dies bedenken! Es ist zwar recht und gut, dass du an die Unsterblichkeit der Seele glaubst; aber es ist keineswegs gleichgültig, ob du dem ganzen Worte Gottes glaubst oder ob du nur das annimmst und glaubst, was du für wahrscheinlich hältst, das andere dagegen bezweifelst. Dadurch bist du schon vom Weg des Glaubens abgewichen und kannst nicht mehr ein Glaubender heißen, der nur den Worten des Herrn glaubt, sondern du denkst frei das, was deine arme Vernunft und Meinung dir vorbuchstabieren.
Nun sind es ja nicht die Seelen, sondern die Leiber, von denen der Herr Christus so oft versicherte: „Und Ich werde sie auferwecken am Jüngsten Tage.“ Wenn du nicht verstehst, wie verweste oder verbrannte Leiber auferweckt werden können oder wie „das Meer die Toten, die darinnen sind, geben wird“, so bedenke einmal, ob du verstehst, wie Gott einst alle Dinge aus nichts erschaffen hat oder wer Ihm die Urstoffe zu allem gegeben hat. Beantworte Ihm die Fragen, die Er an Hiob richtete: „Wo warst du, da Ich die Erde gründete?“ Beuge dich vor dem Hohen und Hocherhabenen und bekenne, dass du nichts verstehst und dass Er ein allmächtiger Wundertäter ist. Bitte Ihn um einen Strahl Seines Lichtes und betrachte dann alles, was Er für uns getan hat, als Er uns Seinen Sohn, Sein Wort, Seine Sakramente, Seinen Geist sandte; frage dich einmal, ob dies alles nicht davon zeugt, dass Er uns an Leib und Seele herrlich zu machen gedenkt — und du wirst erkennen, dass Er, „der von den Toten ausgeführt hat den großen Hirten der Schafe durch das Blut des ewigen Testamentes, unseren Herrn Jesus“, auch die Leiber Seines Volkes „lebendig machen wird um deswillen, dass Sein Geist in ihnen wohnt“. Sein herrlicher Name sei hochgelobt in Ewigkeit!
Römerbrief

Dieser meiner Augen Licht
Wird Ihn, meinen Heiland, kennen;
Ich, ich selbst, ein Fremder nicht,
Werd in Seiner Liebe brennen;
Nur die Schwachheit um und an
Wird von mir sein abgetan.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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