Zum 19. Januar



Wer dem Sohne nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm. - Joh. 3, 36

Es liegt in unserer Natur, dass wir auf unsere eigenen Werke, unsere Frömmigkeit oder unsere Sünden sehen und nach ihnen über Gottes Gnade gegen uns urteilen. Der Geist aber kommt und spricht: „Nein, es gibt einen Mann, der Jesus Christus heißt, „des Weibes Same“, den der ewige Vater an eurer Statt unter das Gesetz stellte, um alles zu vollbringen und „den Tod für alle zu schmecken“. Sein teures Blut hat sowohl euren Sünden als auch euren Tugenden alle vor Gottes Gericht geltende Kraft und Bedeutung weggenommen.“ In Ihm und in keinem anderen ist Heil; denn es ist kein Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden, als allein der Name Jesus Christus von Nazareth. Dies ist die eigentliche Ursache dafür, dass der Unglaube die einzige verdammende Sünde ist. Schon die Größe derselben ist erschrecklich; und doch ist es nicht eigentlich die Größe, sondern die Art dieser Sünde, die die Verdammnis bewirkt.
Wir müssen hier bedenken, was der Unglaube ist. Er ist erstens eine Verachtung der größten Barmherzigkeit Gottes, eine Verspottung Seiner unerreichten Zärtlichkeit, ein Mitfüßentreten der größten Gabe der göttlichen Barmherzigkeit, Seines eingeborenen Sohnes, und zweitens eine Verwerfung des einzigen Heilmittels, das uns gegeben ist, des einzigen Opfers für unsere Sünden.
Gott hat sich in Seiner großen Barmherzigkeit über unser Elend erbarmt und uns Seinen eingeborenen, geliebten Sohn zum Heiland gegeben; Er kam und wurde unser Bruder, wurde ein Menschenkind und gab alles, was er hatte, Seine Gerechtigkeit, Sein Leben und Sein Blut zu unserer Errettung dahin. Du weißt das alles und bist doch immer noch kalt und gleichgültig gegen Ihn! Du feierst Seine Geburt zu Weihnachten; du liest, hörst und singst von dem Kind in der Krippe. Du feierst Sein Leidens- und Todesfest, liest und hörst von Seinem Blutschweiß in Gethsemane, Seiner Geißelung, Seiner Dornenkrönung und vom Durchbohren Seiner Hände und Füße. Du siehst Ihn am Kreuz zwischen Übeltätern aufgehängt. Du hörst Seine trostlosen Angstrufe und du weißt, bekennst und singst, dass dieses alles „um deinet- und deiner Sünde willen“ geschah. Du gehst zum Abendmahl und feierst das Gedächtnis Seines Todes, — und bei alledem verbleibst du ebenso tot und kalt in deinem Herzen, liebst und umfasst Ihn nicht, freust dich nicht und lobst Ihn nicht, sondern gehst mit Herz und Gedanken voller Nichtigkeiten, voller Sünde und Ungehorsam gegen deinen gnädigen Heiland dahin. Wunderst du dich dann darüber, dass du verdammt sein musst? Wunderst du dich dann darüber, dass Gottes Zorn wie aus der untersten Hölle brennt über einen so schrecklichen Undank gegen die brennende Liebe und die bittere Marter Seines geliebten Sohnes, über eine so kalte Verachtung und solches Mitfüßentreten der größten Liebe Gottes?
Luther sagt einmal über Christi Leiden: „Ein Menschenherz, das hierbei nicht bewegt oder gerührt wird, muss ja härter sein als Stein, als Eisen und Stahl. Doch geht die liebe, feine Welt dahin und nimmt es durchaus nicht zu Herzen, ist träge, kalt, undankbar und verachtet diesen großen Schatz. Deshalb geschieht es auch, dass unser Herrgott sie dahinfahren lässt, dass sie weiter und weiter davon entfernt wird. Und unser Herrgott tut eben recht daran, wenn er zu der undankbaren Welt spricht: Willst du nicht Meine große Liebe sehen, dass Ich dich so väterlich und herzlich besucht und Meinen lieben Sohn in so große Marter dahingegeben habe, wohlan, so will Ich dich auch nicht sehen. Fragst du nicht danach, was ich gemacht habe, so frage Ich auch nicht nach dir. Willst du nicht Meinen Sohn, Jesus Christus, haben, so nimm Barrabas an Seiner statt, ja den Teufel selbst!“ — Wenn du so kalt, hart und undankbar bist und durchaus keine Freude in Christus hast, sondern Ihm nur Verachtung für all Seine Gnade und Liebe zeigst, — wundere dich dann nicht darüber, dass Gott dich deinen eigenen Weg zur Verdammnis gehen lässt! Der Apostel sagt: „Wenn jemand das Gesetz Mose´s bricht, der muss sterben ohne Barmherzigkeit; wie viel ärgere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt und das Blut des Testaments unrein achtet?“
Wir sehen hier, was der Unglaube schon an und für sich ist. Ferner ist er auch die Mutter aller anderen Sünden. Wer nicht an Christus glaubt, ist von Gott abgewendet und geschieden, hat keine wahre Liebe, keine Zuversicht und Lust zu Ihm und zu Seinem Willen, wenn er auch, gleich einem Sklaven, aus Furcht oder aus Einbildung auf Verdienste sich Seinem Wort gemäß gebärdet (wie es die Heuchler und Werkheiligen tun), „und so der Deichsel des Teufels und der ganzen Hölle mit dem Unglauben folgt“ (Luther). Das alles aber ist doch nicht die eigentliche Ursache davon, dass der Unglaube die Verdammnis zur Folge hat; die Ursache ist vielmehr diese, dass er „die Gnade Gottes verwirft“, dass derjenige, der nicht an Christus glaubt, „kein anderes Opfer mehr für die Sünde hat“, sondern er ist nackt in seinen Sünden vor Gottes Gericht; wie Paulus sagt: „Dem, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern aus Pflicht“ (Röm. 4, 4).
I/71

Gott will den Menschen nicht gnädig sein,
Als nur in Jesu, dem Lämmelein,
Das für uns’re Sünden am Kreuze gehangen
Und für die Sünder hat Gnad’ empfangen
Zur Seligkeit.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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