Zum 29. Februar



So wir samt Ihm gepflanzt werden zu gleichem Tode, so werden wir auch Seiner Auferstehung gleich sein. - Röm. 6, 5

Eigentlich heißt das: „Wir werden mit Ihm einsgemacht werden zur Gleichheit Seines Todes und Seiner Auferstehung.“ Diese Worte werden am besten durch ein Bild Christi erklärt, in dem Er sich mit einem Weizenkorn vergleicht, das in die Erde gelegt wird und ersterben muss, bevor es Frucht bringt. Ebenso müssen auch wir aller unserer eigenen Fähigkeit und Tauglichkeit absterben, bevor wir ein neues himmlisches Leben erhalten und eine solche Saat werden können, die der himmlische Sämann gutheißt und in Seine Scheunen sammelt.
Solange der Mensch noch selber etwas zu sein und zu vermögen meint, ist alles, was er tut, auch sein frömmstes Wesen, „vom Fleisch geboren“ und ein Gräuel vor Gott. Wenn es am besten zu sein scheint, ist es mit dem Laster der Selbstvergötterung und mit allerlei Gräueln der vergifteten Natur befleckt. Alle unsere eigene Kraft und Fähigkeit, unsere Klugheit und Wirksamkeit müssen darum niedergeschlagen und zunichtegemacht werden, wenn Gott Seine Kraft an uns offenbaren soll. Erst wenn der Sünder ganz verloren, ohnmächtig und ratlos daliegt, in diesem verlorenen Zustand aber die Stimme des Sohnes Gottes von lauter Barmherzigkeit und Gnade zu hören bekommt, erst dann fängt das wahre Leben in ihm an.
Von diesem Geheimnis verstehen die Gesetzesklugen nichts. Sie meinen, dass man heilig werde, wenn man sich nur recht ernstlich anstrenge. Das Wort Christi „ohne Mich könnt ihr nichts tun“ werfen sie hinter sich oder fassen es nur so auf, dass man beten müsse. Der Herr aber sagt nicht: Es sei denn, dass ihr zu Mir betet. Er sagt: „Es sei denn, dass ihr in Mir bleibt gleichwie die Rebe am Weinstock, so könnt ihr nichts tun; bleibt in Meiner Liebe.“ Gewiss ist das Beten hier erforderlich. Aber mit dem Beten entsteht keine wahre Heiligung, wenn nicht auch das geschieht, was die Schrift lehrt, dass du nämlich ohnmächtig und verloren in dir selber wirst und dein Leben nur in Christus erhältst und einsgemacht wirst mit Ihm zur Gleichheit Seines Todes und Seiner Auferstehung. Es muss nach dieser Regel gehen: „Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.“
Die rechte Heilung hat in deinem Herzen dann angefangen, wenn du aus gemachter Erfahrung sagen kannst: „Wie ängstlich ich auch Gerechtigkeit und Heiligung in mir suchte, so bin ich doch mit all meinem Tun zuschanden geworden, habe dann aber endlich sowohl meine Gerechtigkeit als auch meine Heiligung in einem Anderen gefunden — in meinem Herrn Christus allein. Ich gedachte vieles zu tun, ich kämpfte, ich betete, ich fasste Vorsätze, wurde aber immer unglücklicher, sündiger und elender, bis ich an aller Arbeit verzweifelte und wie verloren dalag. Da kam der Herr und machte mich lebendig. In Seiner Gnade allein wurde ich selig. Oft fiel ich wieder in den alten Wahn meiner eigenen Kraft und Tauglichkeit; denn ich meinte, es wäre wohl doch meine Sache, mich zu heiligen. Ich begann wieder mit meiner eigenen Arbeit, als müsste ich so und so glauben, beten, streiten, und ich meinte, selber einige Kraft dazu zu haben. Dann wurde ich aufs Neue ohnmächtig und verloren, konnte nicht glauben, nicht beten, nicht einmal etwas denken als gerade nur das, was der Herr für jeden Augenblick in mir wirkte. Und als ich so aufs Neue niedergeschlagen, ohnmächtig und tot war, da kam der Herr wieder mit Seinem Evangelium und führte mich zurück in die Festung, aus der ich gewichen war, in Seine Gnade allein, und ich erhielt wieder Lust und Kraft zum Guten.“
Sieh, wenn du das erfahren hast und so nur in Christus deine Gerechtigkeit und deine Heiligung gefunden hast, so dass du dich in allen Dingen und in jedem Augenblick von Ihm abhängig fühlst, dann weißt du, was rechte Heiligung ist, dann ist Wahrheit im Töten deines alten Menschen. Und dann werden nicht nur seine Ausbrüche gehemmt, sondern auch das Innere, das eigentliche Herz und Leben des alten Menschen, die tiefe, unendliche Selbstsucht und die schnöde Einbildung eigener Kraft und Tauglichkeit, die das eigentliche Leben und Herz des alten Menschen ausmachen, werden getötet. Aus dieser Quelle kommen grässliche Sünden, als da sind Hochmut, Gottvergessenheit, Sicherheit, Unglaube, Kälte, Ungehorsam, Übermut, Wollust, Zorn, Ungeduld, Falschheit, Lüge und andere Sünden und Gräuel. Soll diese ganze Schlangenbrut nun angegriffen und getötet werden, dann muss zuerst jene Wurzel eigener Kraft niedergeschlagen werden — und dies nicht nur einmal bei der Bekehrung, sondern unser ganzes Leben hindurch in der täglichen Buße. Gleichwie wir das erste Mal durch das Gesetz zuschanden wurden, so müssen wir auch fernerhin unausgesetzt niedergeschlagen und gedemütigt werden, sobald wir etwas sein, werden und vermögen wollen, auf dass wir nie unseren Trost und unsere Freude an uns selber oder an etwas in uns Vorhandenem suchen, sondern sie nur in dem Herrn Christus haben sollen.
Damit wir aber nicht in unserem Elend liegenbleiben oder in Knechtschaft und Ohnmacht enden müssen, sondern der neue Mensch, „der Sinn des Geistes, der Leben und Friede ist“, auch beständig genährt und aufrechterhalten wird, so ist es nötig, dass wir durch das Evangelium auch beständig getröstet und im Gewissen aufgerichtet und froh und selig in der Gnade werden. So kommt es immer zu einer wirklichen und lebendigen Heiligung aus dem Geist, die nicht selbstgemacht, tot und oberflächlich ist.
Römerbrief

Mein Seligkeitsherzog, mein Herr Jesus Christ,
Preis Dir, der mein alles in allem nun ist!
Preis Dir, der mein eignes Gebäude ließ brennen,
Mich lehrte das Leben von Gnad’ allein kennen!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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