Zum 21. April



Wir wissen, dass wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind. - 1. Joh. 3, 14

Wer ein Christ sein will, die Gewissheit der Vergebung der Sünden aber nicht sucht, sondern sich damit zufriedengibt, immer in Ungewissheit seiner Begnadigung zu sein, der ist gewiss nicht recht wach, sondern entweder ein schlafender Heuchler oder wenigstens ein schläfriger Christ. Es liegt dies in der Natur der Sache. Die Braut, die sich zufriedengibt, ohne der Herzensgesinnung des Bräutigams gewiss zu sein, hat keine rechte Liebe. Es ist darum ein bezeichnendes Merkmal der Unbußfertigkeit, gleichwie es auch eine der Entschuldigungen der Unbußfertigen ist, dass sie die Möglichkeit und die Wirklichkeit dieser Gewissheit der Vergebung der Sünden geradezu leugnen und sie für lauter Vermessenheit, geistlichen Hochmut und Einbildung erklären. Luther sagt: „Wenn Kain dies Bekenntnis hört (dass ein Christ die Gewissheit seiner Begnadigung preist), so wird er sich segnen mit Händen und Füßen und sprechen: Ei, behüte mich Gott vor solcher Vermessenheit, dass ich sagen sollte, ich sei ein Kind Gottes! Nein, ich will mich demütigen und mich für einen armen Sünder erkennen, und Gott wird die Demütigen ansehen!“ Aber die Schrift sagt: „Wir wissen, dass wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind“ — „Wir erkennen, dass wir aus der Wahrheit sind“ — „Wir wissen, dass Er in uns bleibt“ — „Wir wissen, dass wir von Gott sind“ — „Wir wissen, dass der Sohn Gottes gekommen ist und hat uns einen Sinn gegeben, dass wir erkennen den Wahrhaftigen, und wir sind in dem Wahrhaftigen, in Seinem Sohne Jesus Christus“.
Wir wissen, dass wir Gottes Kinder sind und die Vergebung der Sünden und das ewige Leben haben. „Darum“, sagt Luther wiederum, „sollen wir uns befleißigen, dass wir gründlich mit Wurzeln und allem ausrotten mögen den schädlichsten Irrtum, womit die ganze Welt verführet ist, nämlich diesen Wahn, dass der Mensch nicht wissen solle, ob er in oder außer der Gnade sei.“ Aber dieser Irrtum rührt nicht vom Verständnis her, sondern vom Herzen, nicht von einer Unklarheit, denn die Schrift redet überall so deutlich davon, sondern von der Unbußfertigkeit des Herzens. Diejenigen, die diese Gewissheit der Gnade Gottes weder besitzen noch suchen, wollen die Möglichkeit derselben leugnen. Und wenn man diese Gewissheit auch nicht leugnet, so ist es doch, wie oben gesagt, kein gutes Zeichen, wenn man sie nicht sucht, sondern sich mit seiner Ungewissheit zufriedengibt.
Wenn aber ein Mensch auch redlich ist, nach der Gerechtigkeit hungert und dürstet, so ist es dennoch ein großer Mangel und Schade in seinem Christentum, wenn er seiner Begnadigung nicht gewiss ist. Es ist wahr, er kann wohl Gnade haben; es ist wahr, was Luther sagt, dass „die Vergebung der Sünden zweierlei ist, teils verborgen bei Gott, teils von der Seele erkannt und ihr offenbar“; es ist wahr, dass Christus der Sünderin, die zu Seinen Füßen lag, zuvor vergeben und dies dem Simon mitgeteilt hatte, bevor Er sich an sie wandte und zu ihr sagte: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Ja, es ist wahr, dass eine gnadenhungrige Seele die Vergebung der Sünden hat, bevor sie es weiß oder es glaubt, denn „selig sind, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit“. Aber recht wohl steht es erst, wenn der Mensch auch die Gewissheit seiner Begnadigung empfängt. Denn bevor dies nicht geschieht, wird das „Reich Gottes“ nie recht im Herzen sein; denn „das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“. Bevor dies nicht geschieht, kann er nie Kraft erhalten, nie Gott recht lieben, Ihm danken und Ihn preisen, nie recht vor Ihm wandeln. Man hat wohl durch einen schwachen Glauben dieselbe Gerechtigkeit wie durch einen starken, nicht aber dieselbe Heiligung; denn die Heiligung, die Kraft und die Früchte des Geistes hängen immer von der Gewissheit und der Stärke des Glaubens ab. „Freude am Herrn ist eure Stärke.“ Wie wichtig ist es darum, dass alle rechtschaffenen Kinder Gottes zur vollen Gewissheit ihrer Begnadigung gelangen!
Wer nun diese selige Glaubensgewissheit begehrt, der achte genau auf den rechten Weg dazu. Der einzige Weg zur Glaubensgewissheit ist der, Gott beim Wort zu nehmen oder mit dem Glauben des Herzens das nachzusprechen, was Gott vorsagt. Einer der alten Kirchenväter äußert: „Wie sicher und gewiss bin ich, wenn ich nur das nachspreche, was mein Gott mir vorsagt!“ Paulus bezeugt, dass „der Glaube aus der Predigt kommt“. Der rechte Glaube und die Gewissheit entstehen in der Weise, dass ich in Bezug auf die Gnade Gottes nur durch das getröstet, froh und gewiss werde, was Christus getan und Gott bekräftigt hat, und dass ich diesen Trost erhalte, bevor ich mich für würdig halte, glauben zu dürfen, und während ich noch meine, dass mir allzu viel fehlt, ja, während ich noch nicht daran denke zu glauben. Christus sagt, dass der verlorene Sohn noch ferne von dannen war, als ihn der Vater mit Seiner Gnade und Barmherzigkeit überraschte. Nachdem man so in Christus und im Worte Trost erhalten hat, kann man auch die Wirkungen und Eigenschaften des Glaubens bei sich finden, wie Johannes sagt: „Wer da glaubt an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugnis bei sich.“ Die erste und die eigentliche Glaubensgewissheit muss aber immer durch das Wort entstehen, vor allen Früchten des Glaubens.
III/436

Selig, wer in Jesu Wunden
Seine Gnadenwahl erblickt.
Selig, wer den Schatz gefunden,
Der uns ewiglich beglückt!
Selig, wer sich täglich reinigt
Durch des Opferlammes Blut
Und mit Ihm, dem höchsten Gut,
Sich im Glauben fest vereinigt.
Solcher Gnadenkinder Los
Führt in Jesu Arm und Schoß!




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.