Zum 17. Oktober



Leget von euch ab den alten Menschen … und zieht an den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist. - Eph. 4, 22 und 24

Worin dieser neue Mensch nach Gott geschaffen ist oder worin Gottes Bild eigentlich besteht, scheint nicht so leicht gesagt zu sein. Aber gepriesen sei Gott! Er hat uns einen Menschen gegeben, der vollkommen das Bild Gottes hatte, so dass wir auf Ihn blicken und Ihm nachfolgen sollen, „den Menschen Jesus Christus“, „der der Glanz Seiner Herrlichkeit und das Ebenbild Seines Wesens ist“. Wollen wir Gottes Ebenbild schauen und sehen, wie wir sein und werden sollen, dann brauchen wir nur Jesus anzusehen, nicht so, wie Er Gottes Sohn und Gottes Lamm, unser Versöhner ist, sondern so, wie Er als Mensch war. So hat Gott uns in unserem Herrn Jesus Christus nicht nur das vollkommenste und schönste Vorbild zu betrachten und ihm nachzufolgen gegeben, sondern auch das uns liebste Vorbild, indem Er auch unsere Seligkeitshoffnung, unser Heiland und Fürsprecher bei dem Vater ist.
Der alte Mensch dagegen, der abgelegt, gekreuzigt und getötet werden soll, besteht in dem ganzen Verderben, das Adams Fall mit sich brachte. Da ist z. B. der fleischliche Sinn, der Feindschaft gegen Gott ist, die tiefe Eigenliebe, der Eigenwille und Eigensinn, durch den man in allen Dingen sich selber sucht, sich selber meint, für sich selber besorgt ist; der unendliche Hochmut, der etwas sein will; die Hoffart, die gesehen und gehört werden will; der tiefe Unglaube mit allen seinen Auswüchsen wie Verachtung des Wortes Gottes, Sicherheit im Wohlergehen und Verzweiflung in den Widerwärtigkeiten, irdische Sorge, Härte und Gleichgültigkeit gegen Gott und den Nächsten, Unlust zum Wort und zum Gebet, böse Gedanken, unreine Lüste und Begierden usw. Ferner allerlei Ausbruchsünden wie verfängliche Rede, fahrlässiger Wandel, Heuchelei, Lüge, Unredlichkeit, Leichtfertigkeit, Unzucht, Geiz, Unbarmherzigkeit, Zorn, Hass und andere Sünden und Laster, die kaum gezählt werden können. So ist das scheußliche Bild, das abgelegt, gekreuzigt und getötet werden soll. Wir würden nicht so sicher, so frei, so frech und mit uns zufrieden sein, wenn wir uns recht damit beschäftigten.
Wir haben hier die Sache vor Augen; jetzt müssen wir sie nur noch in der Übung haben. Hierüber ist der Wille und Ratschluss Gottes, ja die zärtliche Stimme des Wortes und des Geistes an die Gläubigen folgenden Inhalts: Weil du von deinen Sünden freigesprochen bist, so dass du dem entgehst, an die schwerste Besorgnis zu denken, nämlich dich selbst von deinen Sünden zu befreien, so nimm denn mit Freuden und mit Dankbarkeit diese leichtere Fürsorge zu Herzen, nämlich Jesu Fußstapfen zu folgen, nach dem Bilde dessen erneuert zu werden, der dich geliebt, erkauft und befreit hat, Ihm ähnlich zu sein und dein ganzes Leben lang das zu hassen, was Er hasst, und das zu lieben, was Er liebt. Weil du nun von deinen Sündenschulden frei bist und so der Sorge für sie entgehst, weil du ein Kind Gottes und Christi Bruder oder Schwester bist, so sei denn, wie Er war und wandelte. Er war innig mit Seinem Vater vereinigt; Er war voller Liebe zu Gott und den Menschen; Sein Leben und Seine Speise war, den Willen Seines Vaters zu tun usw. Sei auch du innig mit deinem himmlischen Vater vereinigt, gehe fleißig und vertraulich mit Ihm um, lass es auch deine Speise und dein Leben sein, Seinen Willen zu tun, deinem Nächsten zu dienen, dein Fleisch zu töten usw. Weil du der Tempel des Heiligen Geistes bist, so dass derselbe Geist in dir wie in deinem Heiland wohnt, so vertreibe Ihn nicht, betrübe Ihn nicht durch Ungehorsam gegen Seine Warnungen, durch verfängliche Worte oder andere Sünden. Verdirb und verunreinige den Tempel Gottes nicht durch die Lüste oder Werke des Fleisches, sondern leide lieber alles, bevor du deinem Gott zuwiderhandeln würdest. Christus bekannte die Wahrheit, auch als es Ihn das Leben kostete. Bekenne auch du Ihn, selbst wenn es dich die Achtung der Menschen, deinen Ruf, ja dein Leben und Gut kostet. Christus war um des Wohlgefallens Seines Vaters willen in jeder Lage zufrieden; sei auch du in deiner Lage zufrieden und lass deine Unannehmlichkeiten sich in das Wohlgefallen Gottes verlieren! Christus hat nie leichtsinnig gescherzt, sondern Er freute sich mit Gottesfurcht; dich, der du Gottes Kind und Sein Bruder bist, ziert dieselbe Weise am besten.
„Wer ist“, so dürftest du fragen, „dazu fähig? Wenn ich nur dies alles könnte!“ Antwort: Dass du es selber tun solltest, war nie gemeint, ebenso wenig, dass du sogleich vollkommen werden würdest; sondern fange an, dich danach auszustrecken und unter diesem Streben gründlich zu lernen, dass du es nicht kannst und dann genötigt wirst, nach dem Herrn zu seufzen und zu rufen, der selber — und in dieser Weise — das Werk der Heiligung ausführt. Es ist nicht des Menschen, sondern des Herrn Werk, aber es wird durch die Kraft des ermahnenden, warnenden und tröstenden Wortes ausgeführt. „Wir sind nicht einmal tüchtig, etwas zu denken als von uns selber.“ „Gott ist es, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen.“ Was nun nicht mit dem Worte sowie durch innere Mahnungen und Beweggründe ausgerichtet werden kann, das tut der Herr mit der Rute, mit dem Ofen der Trübsal, „wo es sein soll“ — denn die Rute der Züchtigung lehrt uns aufs Wort achten. Und die Gläubigen sprechen von Herzen: „Es ist mir alles gleich; brauche Gott, welche Weise Du willst, wenn Du nur mein Herz gewinnst.“ Denn „Eins ist Not“, und „ohne Heiligung wird niemand den Herrn schauen.“ Halte aber doch in erster Linie diesen Punkt rein: „Mit Seinem Opfer hat Er in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden.“
III/479

Herr Jesu, führe mich, solang’ ich leb’ auf Erden;
Lass mich nicht ohne Dich durch mich geführet werden!
Führ ich mich ohne Dich, so werd’ ich leicht verführt;
Wenn Du mich aber führst, tu ich, was mir gebührt.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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