Zum 17. Juli



Wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. - 1. Kor. 15, 49

Hier ist eine Verkündigung, bei der wir Gott ernstlich um die Gnade zum Glauben und um geöffnete Sinne anflehen müssen. Höre! „Wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.“ Glaubst du das? Dass wir das Bild des Irdischen (Adam) tragen, das fühlen wir in allen unseren Gliedern und Sinnen mehr, als uns lieb ist. Glaubst du aber auch ebenso gewiss, dass wir einst das Bild des Himmlischen tragen werden, die wir mit Ihm vereinigt sind? Adam und Christus sind gleichsam die zwei großen Modelle, nach denen unsere beiden Zeitperioden geformt werden sollen, die eine Zeitperiode, nämlich die des Erdenlebens, nach Adam, nach dem Bilde des Irdischen; die andere Zeitperiode, die der Ewigkeit, nach Christus, nach dem Bilde des Himmlischen. Ebenso gewiss, wie wir hier das Bild des Irdischen mit allem Elend, das dazu gehört, getragen haben, werden wir auch das Bild Jesu mit all der Herrlichkeit, die dazu gehört, tragen. Glaubst du, dass für alle, die in Christus sind, dieses zu seiner Zeit ebenso gewiss wie eine bestimmte Ordnung der Natur, wie der Tag auf die Nacht oder der liebliche Sommer auf den kalten Winter folgt? O, ist das wahr? Gelobt und gepriesen sei der Name des Herrn!
Das Bild des Irdischen erkennen wir aus unserem ganzen Wesen. „Adam zeugte Kinder, die seinem Bild ähnlich waren.“ Hier redet der Apostel von den Leibern. Dem Leibe nach tragen wir das Bild Adams in all den Eigenschaften, die der Apostel (Vers 24–45) aufgezählt hatte, so z. B. dass er „in Unehre“, „in Schwachheit“ und „verweslich“, kurz: ein „natürlicher Leib“ ist, der mit irdischen Nahrungsmitteln aus dem Pflanzen- und Tierreiche unterhalten werden und schließlich selber zu Erde werden muss. Außerdem gehört zum Bild des Irdischen auch eine Kette alles Jammers, aller Sünde, Not und Sorge, eine Kette von Sünden und Widerwärtigkeiten aller Art. Unser ganzes Wesen ist gleichsam aus Sünden zusammengesetzt, so z. B. aus Verachtung Gottes, Abgötterei, Sicherheit, Härte, Eigenliebe, Hochmut, Heuchelei, Lügenhaftigkeit, aus Zorn, Hass, Neid, bösem Argwohn, unreinen Lüsten, Geiz, Eigennutz und dergl. mehr. Jesus sagt dazu: „Aus dem Herzen der Menschen gehen heraus böse Gedanken, Ehebruch, Hurerei, Mord, Dieberei, Geiz, Schalkheit, List, Unzucht, Schalksauge, Gotteslästerung, Hoffart, Unvernunft.“ Dies ist das Bild Adams, soweit es die Sünde betrifft. Daraus aber folgen sodann aller Fluch und Jammer auf Erden, nämlich ein unruhiges Herz, ein böses Gewissen, Sorge, Ärgernisse, Kummer, Unsicherheit, Furcht, Argwohn, Krankheit, Schmerzen, Armut, die feurigen Pfeile des Satans und endlich der Tod und die Vergänglichkeit. Man mag wollen oder nicht, man muss doch — gleichsam mit diesen Überresten Adams umkleidet — wie durch einen dichten Dornenwald gehen, wo man beständig verwundet wird und blutet.
Ach ermüdet nicht, ihr Gotteskinder! Werdet nicht ungeduldig! Dies ist nur eine schwere Wegstrecke; es kommt hernach eine andere Zeit, so wahr Gott den Menschen nicht nur zum Leiden erschaffen hat. „Wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen“, und „das Bild des Himmlischen“ ist in allen Stücken dem Irdischen entgegengesetzt. Zur Ähnlichkeit des Bildes Jesu gehört zunächst „ein geistlicher Leib“, der dem verklärten Leibe Christi ähnlich ist. Anstatt der Unehre erhalten wir eine ewige, himmlische Ehre und Herrlichkeit; anstatt der Schwachheit, Gebrechlichkeit und Krankheit eine ewige Gesundheit, Stärke und Behaglichkeit. Anstatt der Sorge, Furcht, Qual und Unsicherheit finden wir eine ewige Freude, Seligkeit und Sicherheit, „ein liebliches Wesen zur Rechten Gottes ewiglich“, und eine unendliche Quelle hoher, himmlischer Ergötzungen. Und vor allem anderen gibt es dort anstatt unserer unendlichen, peinigenden Sündigkeit eine ewige, unerschütterliche Heiligkeit, Liebe und Reinheit, so dass wir Gott dort so vollkommen und brennend und mit einer solchen Seligkeit werden lieben können, wie wir es in unserem gegenwärtigen Zustand nie zu fassen vermögen. Wer jemals in der ersten Zeit mit dem Heiland etwas von den Kräften der zukünftigen Welt, etwas Überschwängliches von der Lieblichkeit des Herrn geschmeckt hat, der muss bekennen: Wenn diese Erfahrung ewig gedauert hätte, wäre es schon ein Himmel und eine Seligkeit gewesen. In dieser vollkommenen Liebe zu Gott, die die Summe des Bildes Christi ist, liegt die höchste Seligkeit. Und bedenke ferner: Wir sollen in jeder Hinsicht von allem Bösen frei sein, uns ganz heilig und rein wie ein Engel Gottes fühlen, in allem vollkommen sein, was wir hier wollten und wonach wir uns hier sehnten, es aber nicht erreichten. Wir sollten uns nie mehr vor etwas Bösem oder Gefährlichem fürchten, sondern in der Gemeinschaft des verklärten Heilandes und in den wunderbaren Geheimnissen Gottes eine ewige Sicherheit und Ruhe haben. Zu einem solchen Leben ist das wundersame Wesen, der Mensch, eigentlich erschaffen. Nichts anderes lag in dem Liebesplan Gottes, als Er ein Geschlecht erschuf, das Seinem Bilde gleich sein sollte, — dem Bilde dessen, der der Gott aller Seligkeit ist und der alle Seligkeit ebenso leicht schaffen konnte, wie Er die Wassermassen des unermesslichen Meeres schuf.
II/635

Was hier kränkelt, seufzt und fleht,
Wird dort frisch und herrlich geh’ n;
Irdisch werd’ ich ausgesät,
Himmlisch werd’ ich auferstehen;
Dann wird Schwachheit und Verdruss
Liegen unter meinem Fuß.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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