Zum 22. September



Das ist Gnade, so jemand um des Gewissens willen zu Gott das Übel verträgt und leidet das Unrecht. - 1. Petr. 2, 19

In einer Predigt zum 15. Sonntag nach Trinitatis sagt Luther: „Es heißt durchaus Gott gedient, wenn man das tut, was Gott befohlen hat, und das unterlässt, was Gott verboten hat. Und möchte also die ganze Welt voll Gottesdienst sein, nicht allein in den Kirchen, sondern auch im Hause, in der Küche, im Keller, in der Werkstatt, auf dem Feld, bei Bürgern, bei Bauern, wenn wir uns nur recht wollten drein schicken. Denn gewiss ist es, dass Gott nicht allein das Kirchen- und Weltregiment, sondern auch das Hausregiment geordnet hat. Darum, wer dazu beiträgt — Vater und Mutter erstlich, danach die Kinder und letztlich das Gesinde und die Nachbarn —, alle miteinander dienen sie Gott; denn es ist Sein Wille und Befehl. Also könnte ein Mensch bei aller seiner Mühe und Arbeit fröhlich und guter Dinge sein, und würde ihm nichts sauer werden, wenn er sich also in seinen Dienst und Beruf schickte. Aber da wehrt der Teufel mit Händen und Füßen, dass man zu der Freude nicht komme, sondern jedermann einen Unwillen habe an dem, was er tun soll und ihm befohlen ist, dass nur den Leuten keine Liebe dazu geschehe und Gott kein Dienst.“ Soweit Luther.
Wir brauchen jetzt ein williges Herz und geistliche Augen, Glaube und Liebe und Lust an Gottes Gesetz — geistliche Augen, damit ein jeder in seinem Stand und Beruf Gott sieht, Gottes Gebot und Willen erblickt und nicht bei dem eigenen Ansehen des Werkes stehenbleibt. Zum anderen ist hier oft auch eine unermüdliche Geduld erforderlich, wenn der Teufel unsere Verhältnisse recht bitter und widrig macht. O welche Gnade ist es dann, die Liebe zu Gott zu haben, wodurch unser Missbehagen in Seinem Wohlwollen ertränkt werden kann, so dass wir nur wegen Seines Willens leiden und mit Geduld aushalten! Der Apostel Petrus sagt: „Ihr Knechte, seid untertan mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, so jemand um des Gewissens willen zu Gott das Übel verträgt und leidet das Unrecht. Wenn ihr um Wohltat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr berufen, zumal auch Christus gelitten hat für uns und uns ein Vorbild gelassen.“ Ihr Dienenden und Kinder, beachtet die Worte „nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen“! Beachte die Worte: „Um des Gewissens willen zu Gott — das Übel verträgt und leidet das Unrecht. — Das ist Gnade bei Gott. Dazu seid ihr berufen, zumal auch Christus für uns gelitten hat.“
Das ist Gnade, wenn ein Kind, das an den Heiland glaubt, die Abgeneigtheit gottloser Eltern und Geschwister demütig, geduldig und unermüdlich „um des Gewissens willen zu Gott“ erduldet und sich weder zu ungebührlicher Gegenantwort auflehnt, nicht in Sorge und Wehmut verzweifelt und auch nicht zur Welt zurückkehrt, sondern — auf den Herrn harrend — leidet und Geduld hat, seinen Trost, seinen Freund und seine Zuflucht im Herrn allein habend. Das ist Gnade bei Gott.
Das ist Gnade, wenn ein gläubiger Christ, der eine gottlose und beschwerliche Gattin hat, „um des Gewissens willen zu Gott“ geduldig seine Trübsal erträgt, das Unrecht leidet, Liebe beweist und seiner Gattin mit einem unausgesetzten Vergeben dient.
Das ist Gnade, wenn fromme Eltern, die gottlose und entartete Kinder haben, mit unermüdlicher Geduld, Festigkeit und Liebe an deren Erziehung arbeiten, sie ermahnen und strafen, ihnen vergeben, sie zuerst und zuletzt im Gebet Gott befehlen.
Das ist Gnade, wenn ein gläubiger Lehrer, der ein undankbares Arbeitsfeld hat, dennoch mit Liebe arbeitet, Geduld hat und nicht müde wird, eifrig und liebevoll, öffentlich und privat, zur Zeit und zur Unzeit anhält, straft, züchtigt, mit aller Sanftmut und Unterweisung ermahnt und für dies alles willig die Feindschaft der Welt, seiner Amtsbrüder und aller bösen Geister erduldet — in erster Linie sich selber in Gottseligkeit übend, um sein eigenes Gnadenleben zu unterhalten.
Das ist Gnade, wenn ein frommer Student mit Geduld den Spott und Hohn seiner gottlosen Kameraden erduldet, sich von der Welt unbefleckt hält und sich um Christi willen gern für einen Toren halten lässt, Ihm gerne seine Kräfte opfert und nur um seines Berufes willen und aus Pflicht heidnische Schriftsteller, Historien und andere Wissenschaften studiert, die himmlische Weisheit aber zum Lieblingsgegenstand hat.
Das ist Gnade, wenn ein frommer Handwerker „um seines Gewissens willen zu Gott“ in seinem Handwerk redlich und treu ist, lieber Armut und Verlust leidet, als dass er sich der Kunstgriffe und des Betruges bedienen würde, durch den seine Konkurrenten im Geschäft sich Gewinn machen.
Seht, in dieser Weise hat ein jeder in seinem Stande seine Prüfungen und Schwierigkeiten. Hier sind nun Geduld, geistliche Augen und Herzen erforderlich, um Gottes Wohlgefallen sowohl zu sehen als auch zu lieben, fest und unerschütterlich, treu und fleißig im eigenen Beruf zu bleiben, in dieser Weise dem Nächsten zu dienen und dadurch Gottes Willen zu tun. Das ist Gnade bei Gott und der rechte Weg für unseren Lebenswandel.
IV/152

Jesu, geh voran
Auf der Lebensbahn;
Und wir wollen nicht verweilen,
Dir getreulich nachzueilen;
Führ’ uns an der Hand
Bis ins Vaterland.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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