Zum 23. August
| Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Frau, noch seines Knechts … noch alles, was dein Nächster hat. - 2. Mose 20, 17 |
| Hier hat die göttliche Majestät das ausgesprochen, was Gott eigentlich in allen Seinen Geboten will und meint, dass wir nämlich ganz rein und heilig sein sollen, wie Er heilig ist. Hier hat sie die erste Regung, ja das Vorhandensein eines sündlichen Gelüstes im Herzen verboten. Beachte! „Sündliches“ Gelüst oder Verlangen. Es kann nicht geleugnet werden, dass es auch ein unschuldiges Verlangen gibt, ein rein natürliches, wie z. B. nach Speise, Trank, Schlaf usw., soweit es innerhalb der Grenzen der Mäßigkeit gehalten wird, oder auch ein geistliches, wie z. B. Sehnsucht und Verlangen nach Gott und nach all dem Guten, von dem David so oft spricht: „Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn und nach dem lebendigen Gott.“
Sündlich aber sind alle jene Gelüste, die in irgendeiner Weise gegen die Gebote und Verordnungen Gottes streiten, so z. B. die Gelüste, die der Herr hier nennt: Gelüste nach der Frau des Nächsten (oder die Lüste der unreinen Wollust) oder nach seinen Knechten (welches Gelüste des Eigennutzes sein können) oder nach seinem Ochsen oder seinem Esel (Gelüste des Geizes) oder nach irgendetwas, „das dein Nächster hat“. Mit anderen Worten: Alles, was Gott deinem Nächsten, aber nicht dir gegeben hat, sei es nun irdisches Gut oder Ehre und Auszeichnung oder irgendein anderer Vorzug, alles dessen sollst du dich aus bloßer Ehrfurcht vor der Austeilung und dem Wohlgefallen deines Gottes nicht gelüsten lassen. Kurz: Das Gelüst ist sündlich, sobald du Gott und Seinem Wohlgefallen nicht untertan bist. Das Gelüst ist sündlich, auch wenn der Gegenstand desselben unschuldig ist. Als die Kinder Israel in der Wüste nach dem gelüstete, was böse war, da war der Gegenstand an sich ganz unschuldig, nämlich Fleisch, Fisch und Gewürze. Dass sie sich aber nicht in den Willen Gottes und in Seine Verordnung für ihr Leben in der Wüste fügen, sondern dort dasselbe wie in Ägypten haben und sich nicht sagen lassen wollten, wenn der Wille Gottes ihnen vorgehalten wurde, darin lag das Böse, um deswillen der Zorn Gottes sie so traf, so dass „die Stätte Lustgräber heißt bis auf diesen Tag, darum dass man daselbst das lüsterne Volk begrub“ (4. Mose 11, 34). Wir erkennen hieraus das Geheimnis dieses Gebotes: Wir sollen als gute Kinder nichts mehr begehren als nur Gott und Sein Wohlgefallen. Will Er uns Speise, Trank, Kleider, Ehre und Ansehen geben, dann sollen wir es zu unserem Besten genießen und Ihm danken, solange Er es uns gibt. Gefällt es Ihm aber, diese Dinge von uns zu nehmen, dann sollen wir ebenso zufrieden sein, als da Er sie uns schenkte, weil wir ja Ihn und Sein Wohlgefallen, das unser einziges Verlangen sein soll, behalten dürfen. — Asaph singt: „Herr, wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist Du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ Hieraus wird ganz unbestreitbar deutlich, was auch erleuchtete Lehrer erkannt haben, dass nämlich das letzte Gebot mit dem ersten wie in einen Ring zusammenläuft. Es fordert eigentlich nur, dass der Herr der alleinige Gott des Herzens, der einzige Gegenstand unseres Verlangens, unserer Liebe, ja unseres Trostes und unserer Sehnsucht sein muss. Denn das war die Absicht der Majestät Gottes, als Er den Menschen zu Seinem Bilde schuf, dass dieser in allen Dingen nur auf Ihn sehen, in Ihm und von Ihm als seinem Ursprung und Element leben sollte. Zum Bilde Gottes und zum wahren Leben gehörte vor allem, dass der Mensch ein Herz besaß, in dem Gott wohnte, ein Herz, das ohne Ihn nicht leben konnte, das sich nach Ihm sehnte und sich von Ihm nährte, gleichwie ein Kind sich von der Milch seiner Mutter nährt. Diesen Durst nach Gott pflanzte Er in der Schöpfung so tief in den Menschen hinein, dass unser Herz ohne Ruhe, ohne Trost und Frieden sein soll, solange es nicht Ihn, den lebendigen Gott, umfasst und allein in Ihm seine Lust und sein ganzes Vergnügen hat. Weder irdische Lust und Freude noch Silber oder Gold, keine Kunst oder Wissenschaft, nicht Ehre oder Fürstentum, keine Welt und kein Himmel mit allen seinen Heerscharen sollte das innerste Verlangen und die innerste Sehnsucht des Menschenherzens befriedigen. Der Mensch sollte mitten im Besitz all dieser Dinge arm und elend sein ohne Ihn, den lebendigen Gott, das höchste Gut. Alles andere, welchen Namen es auch immer haben möge, sollte er seiner Sehnsucht für unwürdig halten. Die ganze Welt mit allem, was sie ist und hat, sollte uns auch nicht einen Tropfen Befriedigung für unser durstiges Herz geben. Nach dem Allergrößten und Allerhöchsten, nach dem Unendlichen und Ewigen, nach Ihm allein, unserem Herrn und Gott, sollte uns dürsten. Er allein will unsere Erquickung, unsere Ruhe und Sättigung sein. Darum gestaltete Er unser Herz so, dass es voll unendlicher Sehnsucht, voll Begehren und Verlangen ist. Seine Absicht dabei war, dass Er selber der Gegenstand dieser Sehnsucht sein wollte. Jetzt aber fragt es sich: Hat nicht der große Gott noch heute denselben Willen, dieselbe Meinung? Wahrlich, es ist noch heute Sein ernster Wille. Sein erstes und sein letztes Gebot gehen noch heute auf dasselbe hinaus: „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften.“ |
| I/385 |
| Du bist Sein!
Ihm allein gehörst du an, Deinem Schöpfer und Erhalter, Der dir lauter Gut’s getan! Von der Jugend bis ins Alter Sollst und darfst du keines andern sein; Du bist Sein! |
Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.
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