Zum 16. Mai



Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen. - Eph. 6, 12

Wenn wir dies Wort betrachten und zusammenfassen, was der Apostel hier von unserem Feinde andeutet, dann erhalten wir von ihm das Bild eines sowohl sehr mächtigen, sehr listigen und verschlagenen als auch zugleich unsichtbaren Feindes, der uns ganz nahe sein kann, ohne dass wir es ahnen. Wir wollen zunächst das Letztere betrachten.
Wenn der Apostel sagt: „Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen“, so bedeutet dies nicht, dass wir nicht mit unserem eigenen, bösen Fleisch oder dem angeborenen Verderben zu kämpfen haben, sondern nach der Redeweise des Apostels Paulus bedeutet es vielmehr, dass wir in diesem Kampfe nicht wie in gewöhnlichen Kriegen unsere Waffen gegen Leiber richten. Unsere Feinde sind Geister, die wir nicht töten können, und unsichtbare Feinde, die uns ganz nahe sein können, ohne dass wir sie sehen oder ihre Nähe fühlen. Schon das ist ja ein sehr bedenkliches Verhältnis.
Zweitens gibt er uns zu verstehen, dass unsere Feinde nicht schwache, sondern im Gegenteil sehr mächtige und ansehnliche Geister sind, da er sie „Fürsten und Gewaltige“ oder — dem Grundtext nach — „Fürstentümer und Mächte oder Obrigkeiten“ nennt, welche Worte zu erkennen geben, dass der Teufel ein eigentliches Reich hat, mit besonderen Ordnungen und Verfassungen, so dass einige böse Erzengel als Fürsten oder Obrigkeiten eine Regierung über die übrigen Teufel führen. Sodann nennt er sie „Herren der Welt“, was ja überaus erschreckliche Namen sind. Auch Christus hat den Teufel „den Fürsten dieser Welt“ genannt, und Paulus nennt ihn sogar „den Gott dieser Welt“. Das sind Namen, die ja deutlich zu erkennen geben, was wir auch teilweise mit den Augen sehen können, dass der Teufel die ganze unbekehrte Menschenwelt regiert. Selbst Kaiser und Könige stehen als kleine, schwache Sklaven oder aber als treue, gehorsame Untertanen unter seiner Gewalt.
Unser Feind ist von einer hohen Herkunft, nämlich ein gefallener Engel. Er hat einen gewaltigen Mut, wenn er es wagt, mit Überlegung selbst gegen den großen Gott zu kämpfen, und wenn er in den Tagen Christi sich in seinem Übermut sogar erdreistete, dem Herrn aller Herren zu befehlen, niederzufallen und ihn anzubeten. Und welche Macht er über den Menschen hat, kann man daraus schließen, wenn der Herr den Menschen und den Teufel mit einem Hause und seinem Herrn vergleicht, indem Er (Luk. 11, 21) von einem „starken Gewappneten“ redet, der „seinen Palast bewahrt“, so dass der Mensch dem Teufel nur wie ein Haus seinem Herrn ist. Seine Stärke und sein brennender Eifer, uns zu verderben, wird auch in dem Bilde des Apostels Petrus geschildert, der ihn einen „Löwen“ nennt, einen vor Hunger brüllenden Löwen, der umhergeht und sucht, welchen er verschlinge.
Alles das sind so furchtbare Andeutungen über unseren Feind, dass es einen Menschen wohl davor grauen mag, auf Erden zu leben. Und so viel ist sicher, dass diejenigen, die sich nicht in Gottesfurcht nahe an den Herrn halten, gewiss in der Gewalt des Teufels sein oder in sie geraten müssen. Und auch das ist sicher: Wir sind verloren, wenn der Herr uns uns überlässt, der Teufel kann uns dann jeden Augenblick in grässliche Tiefen der Sünde und der Torheiten und danach in den Abgrund der Hölle schleudern. Wir wissen aber auch, sofern wir nicht in Sicherheit schlafen oder an unsere eigene Stärke glauben, sondern schwache Kinder vor dem Herrn wurden, dass der Kampf nicht von unserer Stärke, auch nicht von der Macht des Teufels abhängen wird. Der Herr selber wird für uns streiten, ja, uns wie Lämmer in Seinen Armen tragen und bewahren. Wenn Gott dem Teufel nur eine einzige Stunde volle Freiheit über uns gäbe, dann würde dieser uns sofort zerreißen und in die Hölle werfen. Jeder Augenblick unseres Lebens, in dem das nicht geschieht, ist also ein Beweis für die treue, liebevolle und mächtige Nähe Gottes. O dass wir das doch recht bedenken könnten!
Der Kampf ist also ein geistlicher Kampf, er hängt nicht von unserer Macht und Stärke ab. Deshalb ist die furchtbarste Eigenschaft des Teufels seine mannigfache List und Verschlagenheit, mit der er uns so betrügen und bezaubern kann, dass wir gar nicht des Herrn Kraft suchen, sondern uns willig dem Feinde übergeben. Darum hat die Schrift auch am meisten von dieser Eigenschaft geredet. In dem letzten Buch der Bibel wird er „die alte Schlange“ genannt, „welche die ganze Welt verführt“, darunter auch viele kluge, gelehrte und erleuchtete Männer. Wohl am deutlichsten aber wird der furchtbare Reichtum dieses Feindes an List und Ränken durch das Wort aus dem Munde Christi angedeutet: „Die Tiefen des Satans“. Der Apostel sagt, dass „er sich verstellt zum Engel des Lichtes“. Gott bewahre alle Menschenkinder! Gegen „die Tiefen des Satans“ verschlägt wahrlich kein menschlicher Verstand, keine Erleuchtung und Wachsamkeit, wenn nicht Gott selber mit „Seinem Aufsehen unseren Odem bewahrt“. Und Er, „der Hüter Israels, schläft noch schlummert nicht“.
II/392

Mit uns’rer Macht ist nichts getan,
Wir sind gar bald verloren;
Es streit' für uns der rechte Mann,
Den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
Der Herr Zebaoth,
Und ist kein andrer Gott,
Das Feld muss Er behalten.




Diese Tagesandacht stammt aus dem „Täglichen Seelenbrot“ von Carl Olof Rosenius. Die Andachten des gesamten Jahres sind in Buchform hier erhältlich.


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